Fünf auf einen Streich
18. Juni 2009

Fehlt noch eine Lesung in eurer Urlaubsplanung? Am 28. August bekommt ihr in Oberursel bei Frankfurt/Main fünf auf einen Streich. Andreas Wilhelm hat diesen Abend organisiert. Moderieren wird Jürgen Bräunlein.


Es lesen: Katerina Timm aus Hexenschwester, Sebastian Fitzek aus Splitter, Charlotte Thomas aus Die Liebenden von San Marco, André Wiesler aus Wolfsfluch, und Titus Müller aus Das Mysterium. Im Parkhotel am Taunus, Hohemarkstr. 168, 61440 Oberursel werden noch etliche weitere Autoren im Publikum anwesend sein – die Lesenacht ist der Auftakt für das Montségur Autorentreffen, für das sich 82 Kolleginnen und Kollegen angemeldet haben. Die Lesung ist aber für jedermann offen. Nur keine Scheu. Wir freuen uns auf euch!



Mätscher
11. Juni 2009

Vor der Lesung in Wilsdruff bei Dresden betrete ich einen Schreibwarenladen, um kleine Haftzettel zu kaufen für Markierungen beim Lesen. Die Verkäuferin berät gerade einen Jungen, der ein Geschenk für die Geburtstagsfeier eines Spielkameraden sucht. Sie sagt: “Du kannst auch einen Mätscher nehmen.”

Sofort bin ich wieder in meiner Kindheit.

Ich habe bis zur Wende in der DDR gelebt. Für uns waren Mätscher damals der Inbegriff von Spielzeug. Wir haben unsere kleinen Matchbox-Autos auf dem Wohnzimmerteppich eingeparkt, wir haben ihnen Heftpflaster auf die Unterseite geklebt und ihre Maximalgeschwindigkeit daraufgeschrieben, wir haben ihre Federung getestet und ob sie von allein geradeausfahren.

Seit achtzehn Jahren habe ich dieses Wort nicht mehr gehört: Mätscher. Und das auch noch in Sächsisch! Jetzt bin ich gut gelaunt. Danke, Wilsdruff!



“Sie halten uns alle auf!”
08. Juni 2009

Habe es genossen, in Düsseldorf mit einer uralten Straßenbahn zum Bahnhof zu fahren. Der Boden bebt unter den Füßen, während sie heranrumpelt. Man kann es fühlen, wie schwer der Eisenkoloß ist. Nach dem Einsteigen setzt sich drinnen jedes Holpern, jedes Ächzen der Schienen in meinen Sitzplatz fort. Wir sind eins geworden mit dem eisernen Ungetüm, es hat uns verschluckt und zu einem Teil seiner Mechanik gemacht. Es fährt schon lange durch Düsseldorfs Straßen. Ich bin froh, daß es nicht ausgemustert wird.

Dann der ICE Düsseldorf–München. Ein gebrechlicher Mann mit Krücken müht sich, die Treppen in den Zug hinaufzukommen. Für jede Stufe braucht er eine Ewigkeit. Hinter ihm staut sich alles. Reisende verlassen die Schlange und weichen auf andere Türen aus, weil absehbar ist, daß es hier noch lange dauern wird. Endlich ist er drin, und auch ich kann einsteigen. Im Waggon kriecht er auf seinen Krücken vorwärts. Er muß wieder stehenbleiben, und wir hinter ihm genauso – diesmal allerdings, weil eine Traube von Leuten den Gang versperrt. Er schimpft: "Geht’s hier endlich mal weiter? Sie halten uns alle auf!"

Ich kann nicht fassen, daß er das sagt! Niemand hat ihn kritisiert (es wäre ja auch makaber, einen alten Mann auf Krücken anzutreiben). Mich verblüfft, daß er sich nicht dessen bewußt ist, welchen Stau er selbst verursacht. Er schimpft nach vorn, während er hinter sich Reisende zu größter Geduld zwingt. Wie blind wir manchmal sind!



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