Ich bin schüchtern

Das glaubt mir keiner, aber ich bin schüchtern. Gerade hab ich’s mal wieder gemerkt. Habe auf eine meiner Fragen für das Romanmanuskript keine Antwort gefunden, und da blieb mir nur, einen Profi anzurufen, jemanden, der sich mit Handfeuerwaffen des 18. Jahrhunderts auskennt.
Zuerst war seine Frau dran. Ich habe nur meinen Namen gesagt und gefragt, ob ich Herrn X sprechen dürfe. Sie hat ihn ans Telefon geholt, ich hörte im Hintergrund, wie sie verwirrt sagte: "Ein Herr Müller?" Als er am Apparat war, habe ich vor Aufregung nicht mal erklärt, wer ich bin, ich war so nervös, daß ich gleich losgelegt habe: Ich hätte da eine Frage, wie funktioniere das eigentlich mit dem Laden einer Pistole im achtzehnten Jahrhundert, wie verhindere man, daß die Kugel wieder rausrolle nach dem Laden?
Er hat es mir geduldig erklärt. Ich habe mich überschwänglich bedankt und aufgelegt. Dann mußte ich über mich selbst lachen. Der arme Mann fragt sich wahrscheinlich, wer das gerade war.
Dabei bin ich bin nicht unhöflich. Bloß schüchtern. Echt.
Zu Weihnachten

Habt ihr Lust auf etwas Christliches zu Weihnachten? Dann schaut euch die Auserlesen-Sendung mit Fabian Vogt an. Darin erzählt er, wie er es geschafft hat, Redakteur bei der FAZ zu werden, indem er sich selbst vorgeschlagen hat. Wie es ist, fürs Radio zu schreiben (er ist auf hr3 regelmäßig zu hören). Und er beantwortet meine Fragen zum Buch Glauben ist ganz einfach, wenn man nicht muß, das er gemeinsam mit einem Physiker geschrieben hat. Fabian Vogt ist ein vielseitiger Mann: Er ist als Karabettist auf den Bühnen zu Hause, hat gerade seinen Doktor in Theologie gemacht und bekam für seinen Roman Zurück den Deutschen Science-Fiction-Preis. Als wäre das nicht genug: Glauben ist ganz einfach, wenn man nicht muß ist das beste Buch über den christlichen Glauben, das ich seit langem gelesen habe.
Neuausgabe

Die Priestertochter ist in einer neuen Ausgabe erschienen. Keiner meiner Romane polarisiert so sehr die Leser: Die einen finden ihn verwirrend und schwer zugänglich, die anderen loben ihn als das beste meiner Bücher. Ich halte mich da raus ... Der neue Klappentext lautet: Das Orakel von Rethra fordert ein Menschenopfer, doch Alena, die schöne und kluge Tochter des Hochpriesters, verliebt sich in den todgeweihten Feind. Während sich Franken und Slawen zur Schlacht rüsten, kämpft Alena um ihre verbotene Liebe.
Zwei Arten von Stille

Unterwegs zu den Hörbuchaufnahmen für Das kleine Buch für Lebenskünstler – es erscheint im Februar parallel als Buch und als Hörbuch – bin ich heute eine Strecke zum ersten Mal zu Fuß gegangen, die ich sonst immer mit dem Auto fahre. Dabei habe ich einen kleinen jüdischen Friedhof entdeckt. Ich hatte ihn nie zuvor gesehen, offenbar bin ich an der moosbewachsenen Mauer bisher einfach vorbeigerauscht. Als Fußgänger hatte ich Zeit, darüber hinwegzuspähen. Ein Märchen! Die krummen Reihen von Grabsteinen und die alten Bäume lassen der Friedhof aussehen wie einen Ort, der zu einer fremden Welt führt.
Die Aufnahmen waren ein interessante Erfahrung für mich. Anfangs stand ich ziemlich steif hinter dem Mikrofon, aber im Lauf des Tages bin ich immer lockerer geworden und habe viel gestikuliert beim Lesen. Eine Passage habe ich sogar gesungen. Bin gespannt, ob sie es aufs Hörbuch schafft.
Ich habe eine Menge gelernt. Zum Beispiel, daß der Tonmeister nicht einfach störende Geräusche löschen kann, indem er sie mit Stille überspielt – er muß diese Stille von einer anderen Stelle der Aufnahme dorthin kopieren, weil völlige Stille etwas anderes ist als die Stille in dem Raum, in dem man die Aufnahme macht. "Man hört den Raum", hat er gesagt.
Danke, Andreas!

Auf dem Bild rechts seht ihr Andreas Wilhelm. Seine Thriller erscheinen außer in Deutschland auch in Russland, China, den Niederlanden, Polen, der Slowakei, Estland, Litauen, Tschechien und Spanien, und er hat das größte deutschen Autorenforum gegründet. Ab Januar 2009 wird er den Federwelt Newsletter herausbringen.
Warum gebe ich die Redaktionsarbeit ab, fragt ihr? Ich habe zusammen mit Marlene Klaus die Leitung des Autorenkreises historischer Roman Quo Vadis übernommen, und möchte mich gern darauf konzentrieren.
Heute habe ich also die letzte von mir betreute Ausgabe des Federwelt Newsletters verschickt. Habt vielen Dank für eure Unterstützung – in den letzten vier Jahren habt ihr den Newsletter von 1.500 Abonnenten auf über 3.800 Abonnenten anwachsen lassen! Bitte übertragt eure Güte und Hilfsbereitschaft direkt auf Andreas, wenn einer sie verdient hat, dann er.
Im heutigen Newsletter befindet sich ein Interview mit Gisbert Haefs. Auf meine Frage, ob ihm nach seinen preisgekrönten Sciencefiction-Romanen, historischen Romanen und Krimis die Marketingleute im Verlag nicht vorgehalten hätten, er müsse sich auf ein Genre beschränken, um für den Namen Gisbert Haefs den immergleichen Regalplatz zu erobern, antwortete er grandios: "Ich finde, man muss die Gebiete, auf denen man versagen könnte, so weit streuen, dass außer einem selbst keiner sie überblicken kann."
Ich liebe es, wenn Leute ihren Beruf mit Humor und Leichtigkeit sehen.




