Mein Fahrtenbuch

In den letzten zwölf Monaten habe ich 3.500 Euro für Bahnfahrten ausgegeben. (Nicht erschrecken. Ich bekomme alles wieder von den Veranstaltern.) Trotzdem fahre ich noch 20.000 Kilometer im Jahr mit dem Auto. Eine alte Dame in meinem Ort sagt immer: "Na, Titus, schonst du mal wieder dein Bett?"
Als ich heute ins Fahrtenbuch schrieb – Datum, Kilometerstand, gefahrene Kilometer, Grund der Reise – fiel mir auf, daß ich 2007 geschrieben hatte. Ich sah mir die anderen Einträge auf der Seite an. Überall stand 2007. Ich blätterte zurück. Auf der Seite davor hatte ich 2009 geschrieben. Mache ich Zeitreisen, und weiß nichts davon?
Ich korrigierte die Einträge. Sieht jetzt ein bißchen nach einem schlecht geführten Schulheft aus. Hoffentlich werde ich nicht vom Finanzamt geprüft. Die könnten im Fahrtenbuch sowieso nichts lesen. Wenn ich Bücher signiere, lachen die Leute immer und sagen: "So, und jetzt müssen Sie mir noch vorlesen, was Sie reingeschrieben haben."
Herbst

Was ich am Herbst mag: Das Laub fällt auf die Straße, und den Autos fliegt beim Fahren ein Schweif von gelben und roten Blättern nach. Die Blätter tanzen ihnen hinterher. Ich mag auch die Luft. Zu keiner anderen Jahreszeit atme ich so tief ein wie im Herbst. Die moderige Frische füllt meine Lungen bis in den letzten Winkel. Der Himmel scheint weiter weg zu sein, er ist hoch aufgespannt. Spatzenschwärme werfen sich in den Wind.
Eine Übersetzerin hat sich bei mir gemeldet. Sie überträgt Die Brillenmacherin gerade ins Niederländische. Freut mich sehr, daß der Roman sich – nach Spanien – ein weiteres Land erobert. Wir mailen nun über schwierige Sätze und Änderungen im Manuskript. In Spanien wird demnächst auch Das Mysterium publiziert. Ich kriege Lust auf Urlaub.




