Die Unverfrorenheit eines Straßenmusikanten
30. Juli 2008

Die nächste Woche verbringe ich am Thuner See in der Schweiz und arbeite mit Nachwuchsautoren an ihrem ersten Romanmanuskript. Während ich mir überlegt habe, was ich ihnen erzählen kann, wurde mir bewußt, was für einen wahnwitzigen Beruf ich habe.

Um einen Roman zu schreiben, braucht man Mut und Unverfrorenheit. Schließlich nimmt man sich eigentlich Unmögliches vor. Wenn ich einen Roman verfasse, erwarte ich, daß Tausende Menschen zwanzig Euro hergeben und dann Stunde um Stunde nichts tun, als nur dazusitzen und in meiner Geschichte zu versinken. Ich erwarte, daß sie das Buch mit ins Bett nehmen, in den Zug, ins Flugzeug, an den Strand.

Wenn ich mir diese Forderungen ernsthaft überlege, ist es Wahnsinn, mit solchen Vorstellungen ein Jahr lang zu arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, zu scheitern, ist hoch. Warum schreibe ich trotzdem? Es ist die Unverfrorenheit eines Weltumseglers, eines Drahtseilkünstlers, eines Straßenmusikanten. Ohne die geht es nicht.



Der alte Mann vor meinem Haus
25. Juli 2008

Ich liebe es, wenn alte Leute Humor haben. Vor fünf Minuten passierte ein gebeugter, alter Mann mein Haus, während ich gerade Einkäufe aus dem Kofferraum lud. Daß er meine Straße hochläuft, ist nicht selbstverständlich: Ich wohne auf halber Höhe eines Hügels, der Weg hinauf ist ziemlich steil.

Ein Cabrio hielt und die Fahrerin fragte: "Soll ich Sie mit raufnehmen?"

Der alte Mann sagte: "Danke, ich möchte gern laufen."

Die Beifahrertür des Zweisitzer-Cabrios öffnete sich, und eine ebenso gebeugte Greisin stieg aus. "Sehen Sie, ich muß hier sowieso raus, jetzt ist Platz für Sie."

Darauf der alte Mann: "Wenn Sie drin geblieben wären, wäre ich mitgefahren."

Beide lachten.

Ich hoffe, wenn ich mal ihr Alter erreiche, bin ich genauso gut gelaunt. (Auf dem Bild seht ihr meinen Großvater. Konnte ja nicht einfach den fremden Mann fotografieren. Auch wenn ich’s gern getan hätte, die Greisin und ihn beim Lachen, es hätte euch die Tageslaune gehoben wie mir.)



Die Todgeweihte als Hörbuch
13. Juli 2008

Eine ungekürzte Fassung meines Romans Die Todgeweihte ist auf zehn Audio-CDs und einer Bonus-MP3-CD als Hörbuch erschienen. Es liest der studierte Schlagzeuger und Schauspieler Tobias Dutschke. Zur Hörprobe.



100. Ausgabe des Federwelt Newsletters
02. Juli 2008

1998 habe ich die Literaturzeitschrift Federwelt gegründet. Die erste Ausgabe hatte eine Auflage von 85 Exemplaren, kopiert und von Hand geheftet. Dann waren es 150. Dann 800. Später 1.500. Heute leitet Sandra Uschtrin die Federwelt und veröffentlicht sie zweimonatlich im Farb-Offsetdruck in einer Auflage von 2.000 Exemplaren. 70 Hefte sind schon erschienen.

Parallel zur Printausgabe gibt es einen Newsletter, den ich immer noch betreue. Gerade habe ich die 100. Ausgabe verschickt. Der kostenfreie Newsletter meldet Neuigkeiten aus der Verlagsbranche (auch die Federwelt hat sich zur Autorenzeitschrift mit Praxisartikeln entwickelt). In jedem Newsletter gibt es ein Interview. Autoren, Agenten und Lektoren beantworten darin drei Fragen. Ältere Interviews können hier gelesen werden. Abonnieren kann man auf der Website der Federwelt.

Happy Birthday, Federwelt, zum 10. Geburtstag!



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