Die Romanfigur bleibt
29. Februar 2008

200 Seiten. Ich habe für ein paar Tage mit dem Gedanken gespielt, eine Romanfigur rauszuwerfen. Der Minister, für den N. arbeitet, hat mehr Möglichkeiten. Er wäre ein stärkerer Gegner für M. Am Ende habe ich mich aber entschieden, bei N. zu bleiben. Der Minister war verheiratet, und es spricht einiges dafür, daß er eine glückliche Ehe führte. Ich fühle mich unwohl damit, ihm ein Verhältnis anzudichten. N. dagegen, der fiktiv ist, eignet sich mit seiner Vergangenheit hervorragend dafür, zwischen zwei Frauen hin- und hergerissen zu sein.

Für eine Szene am kühlen Morgen, bei der Wassertropfen auf den Blättern im Park des königlichen Palasts glitzern und der Rasen aussieht, als habe jemand Diamanten darüber gestreut, brauchte ich einen Vogel. Wenn man nun aber schreibt: Ein Vogel sang – dann hört der Leser nichts. Ich brauchte einen Namen. Zu Hause habe ich Bücher, in denen ich die Gewohnheiten von Vögeln und den Klang ihres Gesangs nachschlage. Hier blieb mir nur das Internet.

Binnen Kurzem hatte ich meine Auswahl getroffen: Ein Blaukehlchen sollte singen. Jahreszeit und Ort paßten. Und hier konnte ich sogar dem Gesang lauschen: Blaukehlchengesang! Schade, daß ich den Videoclip nicht in den Roman einbauen kann.

Was tue ich sonst noch? Ich laufe barfuß über Wüstensand, beispielsweise.



Grauwale
18. Februar 2008

Auf dem Pazifik, eine Stunde vor Los Angeles. Zuerst wurde die Wasseroberfläche seltsam glatt. Dann gab es einen Fontänenstoß. Schließlich erschien ein glänzender dunkler Rücken, der im Bogen wieder abtauchte. Ein Grauwal. Dann zwei weitere. Alle vier Minuten kamen die drei zum Atmen nach oben.

Die Schwanzflosse zeigen Wale nur, wenn sie tief tauchen wollen. Daß sie das vorhaben, erkennt man daran, daß es mehrere Fontänenstöße gibt: Sie atmen zweimal, dreimal durch, ehe sie in die Tiefe hinabschwimmen.

Spannende Tiere!



Sonne
15. Februar 2008

Soll ich euch mal neidisch machen? Ich sitze gerade mit nacktem Oberkörper in der kalifornischen Sonne. Ein sanfter Wind streicht mir über den Bauch. Exotische Vögel zwitschern. Ab und an schwirrt ein Kolibri vorbei. Das ist der Ausblick:

Auf dem Schoß habe ich das Notebook und schreibe am neuen Roman. Meinen Helden geht’s da gerade überhaupt nicht gut ... Die Welt ist ungerecht.



Flugzeugblut
12. Februar 2008

New York. Es schneit. Sie sprühen eine farblose Flüssigkeit auf das Flugzeug, die den Schnee rot macht. Er fließt wie Blut vom Flugzeugrumpf. Als kein Schnee mehr da ist, sprüht die Kanone eine dickliche grüne Flüssigkeit auf die Flügel, die erneutes Zufrieren für zwanzig Minuten verhindert. Die Lüftung wird wieder aktiviert. Sofort riecht es im Flugzeug nach den Chemikalien. Aber wir dürfen fliegen.

Mit der grünen Suppe auf den Flügeln fahren wir zur Startbahn. Vor uns rauscht noch eine Kolonne von Räumfahrzeugen über die Bahn. Dann sind wir dran. Es ist ein hektischer Start, der Pilot gibt kräftig "Gas", und es ruckelt sehr. Liegt es daran, daß die Bahn kürzer ist, weil nur ein Teil vom Schnee geräumt ist?

Später fliegen wir unter sternenklarem Himmel. Ich sehe den Orion. Diesen Sternengürtel betrachte ich immer von meinem Dachfenster zu Hause. Seltsam. Gibt’s den hier auch?



Hamburg
10. Februar 2008

Auch in der Nacht steht der Hafen nicht still. Schiffe werden beladen und auf die Reise zu fernen Ländern vorbereitet, riesige schwimmende Kolosse. Dieses ist natürlich keins davon. Es ist ein altes Segelschiff, das gut zum aktuellen Romanprojekt paßt.

Hamburg tut mir gut. Die Stadt duftet nach Freiheit. Manchmal braucht man das; manchmal muß man ein wenig Freiheit atmen.



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