Essen wie ein Abenteurer
27. Januar 2008

Gestern habe ich von jedem verlangt, wählen zu gehen. Nun bin ich erkältet und gehe selber nicht. Aber ich habe mir den Roman ausgedruckt – die 160 Seiten, die davon geschrieben sind – und lese sie. Der Film im Kopf entsteht dabei völlig neu, weil es so lange her ist, daß ich die Szenen verfaßt habe. Ein interessantes Erlebnis. Mir fallen Schwächen auf, die ich damals nicht bemerkt habe, und ich korrigiere sie sofort: stelle Sätze um, streiche Wörter, mache mir Notizen für den späteren Handlungsverlauf. Spaß macht es trotzdem. Ich glaube, der Romanbeginn ist stark.

Lydia M. wies mich in einem freundlichen, vergnüglichen Leserbrief darauf hin, dass Tabak vor Kolumbus in Europa nicht bekannt war, und Streichhölzer auch nicht so recht zum Mittelalter passen. (Wegen des Journal-Eintrags vom 4. Januar.) Gut aufgepaßt, Lydia! Der Fehler liegt allerdings nicht beim Tabak und den Streichhölzern, sondern in der Annahme, der neue Roman spiele im Mittelalter. Mehr verrate ich noch nicht ...

Gestern hatte ich Besuch. Nun ist alles Besteck im Abwasch. Ich habe keine Lust, abzuwaschen. Weil kein Messer sauber ist, habe ich die Butter gleich mit dem großen Brotmesser aufgetragen. Ein Vergnügen! Ich kam mir vor wie ein Abenteurer.



Hörbuch bei Aldi-Nord
17. Januar 2008

Wie im Sommer bei Aldi-Süd, gibt es Die Siedler von Vulgata seit heute auch bei Aldi-Nord. Das Hörbuch kostet 2,99 Euro. Schauspieler Hannes Jaenicke liest Titus Müllers Sciencefiction-Drama und schafft eine schaurige, mitreißende Atmosphäre.



Sturm
15. Januar 2008

Heute ist es stürmisch. Der Wind geht rauh durch die Baumwipfel. Ich liebe dieses Geräusch! Blätter vom Vorjahr werden durch die Straßen geweht. Eine Bö klappt mir den Mantelkragen um und gibt mir einen sanften Stoß in den Rücken. Dicke Wolken ziehen über den Himmel. Obwohl es ein häßliches Wetter ist – es gibt mir das Gefühl, lebendig zu sein.



Rittergeschichte gefunden
10. Januar 2008

Rezensionen, Zeitschriften, in denen ein Text von mir abgedruckt ist, Verlagsvorschauen – ich habe seit Jahren alles in einem Schrank verstaut. Nun ist er voll. Also hieß es: Ausmisten. Ich habe einiges weggeworfen, anderes sortiert, und herausgekommen ist eine gut gefüllte Bananenkiste, die ich aufhebe. Aber nicht nur das. Ich habe mich selbst beim Lügen ertappt.

Seit Jahren erzähle ich bei Lesungen und in Interviews, ich hätte mit siebzehn oder achtzehn zu schreiben begonnen. Nun fand ich zwei Abenteuergeschichten, die ich mit dreizehn auf der Schreibmaschine getippt habe. Meine eigene elektrische Schreibmaschine, die leise surrte, wenn man links den Schalter umlegte. Damals habe ich das Zehn-Finger-System gelernt, was mir heute noch nützt.

Wer sich amüsieren will, darf gerne mal hineinlesen.



Zuviele Figuren
04. Januar 2008

90 Seiten. Ich ringe mit einer Horde von Figuren, die sich in den Vordergrund der Geschichte drängen wollen. Die Anzahl der Perspektiven, aus denen ich das Geschehen schildere, wollte ich auf drei, maximal vier beschränken. Nun sind es fünf geworden: Die beiden Schwestern, ein Schmuggler, ein Baumeister, ein Tier. Es erscheint mir unmöglich, eine von ihnen fortzulassen. Hoffentlich verkraften das die Leser.

Positiv ist, daß mir die Stadt immer vertrauter wird. Ich dachte zuerst, die Bücher und alten Stadtpläne und der einwöchige Rechercheaufenthalt würden nicht reichen. Jetzt aber merke ich, daß ich ein recht detailliertes Panoramabild zeichnen kann.

Hatte gerade eine potentiell langweilige Passage zu bewältigen: Der Schmuggler wartet vor dem Königspalast darauf, daß der Bibliothekar nach draußen tritt und sich eine Pfeife anzündet. Nach langem Grübeln habe ich das Dilemma gelöst. Der, der dem Schmuggler an den Kragen will, sagt zu seinen Häschern: "Ich weiß, wo er ist. Wenn ihm alle anderen Wege verbaut sind, geht er in die königliche Bibliothek. Er hat Bücher immer bis aufs Närrischste geliebt. Er wird dort warten wollen, bis sich die Wogen geglättet haben."

"Aber wie gelangt er in den Palast? Die Wachen lassen ihn sicher nicht ein."

"Er hat sich irgendwo verborgen. Er lauert, bis [V.] vor die Tür des Palasts tritt und eine Pfeife raucht. In diesem Augenblick kommt er herausgekrochen und du kannst ihn dir schnappen."

.... Nun kann ich den Bibliothekar ganz in Ruhe schmauchen lassen. Wir wissen, das Unheil droht.

Er stopfte sich eine Pfeife. [T.] kannte die ruhigen Handbewegungen, er hatte sie hunderte Male gesehen. Es war [V.] Mit raschen Schritten ging er auf den Bibliothekar zu.

[V.] entzündete die Pfeife mit einem Streichholz. Er wedelte mit der Hand, um es auszulöschen. Dann sog er am langen dünnen Pfeifenhals. Er ließ aus den Mundwinkeln dichten weißen Qualm entweichen.



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