Feliz Navidad!
28. Oktober 2007

Die Brillenmacherin ist in Spanien erschienen. Eine wunderschöne gebundene Ausgabe, von der ich kaum ein Wort verstehe. Der Verlag, Espasa, ist Teil des größten Verlagshauses Spaniens und Lateinamerikas, der Grupo Planeta. Sucht noch jemand ein Weihnachtsgeschenk für seine spanischsprechenden Freunde? La hacedora de lentes, 405 Seiten, 22,90 Euro.



Bombay?
23. Oktober 2007

Ich bin in der Schweiz im Zug unterwegs. Soldaten steigen ein. Auf dem Rücken trägt einer von ihnen ein Sturmgewehr. Er legt es ab, als wäre es ein gewöhnliches Gepäckstück, als würde auch jeder andere im Zug mit einer Waffe reisen. Ich stelle fest, wie wenig ich trotz aller Computerspiele Waffen gewöhnt bin. Ihr Anblick erschreckt mich.

Später bin ich auf einer Alp am Thuner See. Ich habe den Eindruck, hier ist der Ort, an dem die Fotos für Kalender und Postkarten gemacht werden: Die zerklüfteten Berghänge, der herrliche Panoramablick über den See. Eine Schafherde zieht vorüber. Jedes Tier trägt eine Glocke am Hals. Die Glocken läuten im Rhythmus der Schritte, und es entsteht ein Vielklang, eine Schafsmusik. Ein Stück weiter springt eine ausgewachsene Kuh davon, weil eine Windbö unerwartet eine blaue Plane anhebt. Ich staune, daß Kühe so beweglich sind.

Im Flughafen Zürich zeigt sich, wie eingefahren manche Kommunikationswege sind. Beim Check-In sagt der junge Mann: "Ich wünsche einen guten Flug!"

Ich antworte: "Ebenso."

Er sagt: "Danke."

Als ich weitergehe, fällt mir auf, wie absurd unser Dialog war. Ich muß grinsen. Der Kerl fliegt doch gar nicht, nur ich fliege! Aber auf "guten xyz" reagiere ich reflexhaft mit "ebenso", und er reagiert offenbar auf "ebenso" immer mit "danke".

Am Gate, kommt mir eine Stewardess entgegen und ruft: "Bombay?" Ich sage: "Ich würde gern nach Berlin fliegen, von Gate E43." Sie schaut aufs Nachbargate. "Ja, das mag sein, Gate E43. Aber wir suchen noch Passagiere nach Bombay. Würden Sie nicht lieber nach Bombay fliegen?" Ich überlege kurz und lehne höflich ab. Wir lachen.



Déjà-vu
18. Oktober 2007

Wow. Was für ein Bahnhof. Beetz-Sommerfeld. Ich sehe rechts aus dem Zug: Weide, und kein einziges Haus. Ich sehe links aus dem Zug: Pferde grasen. Dort stehen zwei Häuser. Sonst nichts, bis zum Horizont. Wo bin ich?

Die Fahrt geht weiter. Auf einem abgeernteten Feld ruhen Wildgänse aus. Tausende davon. Der Zug erschreckt sie, sie fliegen im weichen Abendlicht auf. Ich fürchte kurz, meinen Bahnhof verpaßt zu haben – dieser Zug scheint ins Nirgendwo zu fahren, in die menschenleere Weite, es ist wie in einem Traum.

Abends komme ich in Neuruppin an. Ich glaube, ich habe ein Déjà-vu. In dieser Pension habe ich doch schon mal übernachtet! Sie erscheint mir vertraut. Als ich die Bibliothekarin nach dem alten Kino frage, in dem ich hier vor Jahren gelesen zu haben meine, bemerke ich, daß ich Neuruppin mit einer anderen Stadt verwechsle. Aber die Pension ...! Kann man sich so täuschen?

Die Bild am Sonntag hat mir übrigens einen Tag vor meinem Geburtstag ein schönes Geschenk gemacht, das mir die Presseabteilung des Verlags dann auch prompt mit herzlichen Geburtstagswünschen weiterleitete. Kritiker Alex Dengler hat Das Mysterium gelobt, wieder einmal, wie die Romane zuvor, und dazu geschrieben: "Titus Müller strebt weiter auf den schriftstellerischen Historienolymp zu." Nennt mich eitel, aber ich finde, das hört sich gut an. Wenn man gerade unter Schmerzen 30 geworden ist, braucht man Ermutigung.

Gut, es muß nicht der Olymp sein. Das Gefühl, dazugelernt zu haben mit jedem Roman, genügt vollauf. Vielen Dank, Alex Dengler, für die freundliche Unterstützung!



Es war jugendlicher Wahnsinn
17. Oktober 2007

Was sein Vater dazu sagte, als er mit 26 Jahren das Studium abbrach, um freier Schriftsteller zu werden. Warum er nach den ersten Buchveröffentlichungen eine Weltreise begonnen hat, obwohl man ihm damals prophezeite: "Wenn du wiederkommst, haben dich die Buchhändler vergessen!" Wieviel Kraft man aufwenden muß, um erfolgreicher Autor zu werden. Das erzählt mir Rainer M. Schröder, Autor von 48 Büchern mit mehr als sechs Millionen verkauften Exemplaren, in einer neuen Folge von Auserlesen.



Rekord im Schnellsprechen
13. Oktober 2007

Warum ich im Weblog so wenig vom Mysterium erzählt habe, wieviel Disziplin man beim Schreiben braucht und wie es mir mit der Sendung "Auserlesen" geht – das und mehr erzähle ich im Interview für den Buchmesse-Podcast. Und zwar in rekordverdächtigem Sprechtempo. Hat mich der Messestreß dazu verleitet? Der Buchmesse-Podcast wird vom Literatur-Café und vom Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht, interviewt wurden Ulrich Wickert, Kathrin Passig, Antje Rávic Strubel und viele mehr. Anhören (in meinem Fall: "Schnellhören").



Wildgänse und ein Apfel
13. Oktober 2007

Der erste Tag zu Hause nach zwei Wochen. Heute ruhe ich aus. Habe gerade einen mehrstündigen Spaziergang gemacht, vorbei an Gänsen, Ziegen, Pferden, Kühen, hinaus in die Landschaft. Meine Wegzehrung waren Walnüsse, ich habe eine nach der anderen unterwegs geknackt und verspeist. Dann fand ich einen wilden Apfelbaum, habe einen rotbackigen, kleinen Apfel gepflückt. Er war saftig-süß. So schmeckt nichts, was es zu kaufen gibt.

Zwei Raubvögel verfolgten einander mit schrillen Rufen. Manchmal war es aber auch einfach nur still. Das habe ich sehr genossen. Stille ist das ideale Erholungsprogramm nach Buchmesse und Lesungen.

Die Luft verkündet schon den Herbst. Sie ist würzig und kühl, so schöpft man nur im Herbst Atem, die Winterluft zieht man flach ein, auch die warme Sommerluft, allein im Herbst nimmt man die Luft tief in die Lungen auf. Wildgänse flogen über mich hinweg, sie riefen sich Ermutigungen zu beim Fliegen. Bei einem solchen Spaziergang bin ich dem Leben viel näher als im Menschenrausch der Buchmesse.



Abenteuer Dusche
08. Oktober 2007

Ich habe viele verschiedene Duschen kennengelernt. In Amerika war mal eine so kompliziert zu bedienen, daß wir an der Rezeption nachfragen mußten, wie man überhaupt das Wasser anstellt. In die Reihe der lustigen Duscherlebnisse gehört nun ein weiteres. Ich habe gerade im heutigen Hotel geduscht, und mußte voller Entsetzen feststellen, daß die Wassertemperatur nach einem mir nicht verständlichen Rhythmus zwischen heiß und kalt wechselt. Ohne, daß ich dabei den Hahn berühre!

Trotzdem bin ich jetzt erfrischt und bereit für die Lesung. Das Zimmer ist übrigens wunderbar groß, und es steht kostenloses WLAN zur Verfügung. Apropos WLAN: Meine Website konnte wegen Serverproblemen übers Wochenende nicht aufgerufen werden. Auch alle E-Mails, die mir von Freitagnachmittag bis Montagnachmittag gesendet wurden, haben mich nicht erreicht. Bitte nochmals schicken!

Neuerdings frage ich mich öfter mitten am Tag: In welcher Stadt bin ich eigentlich? Ich vergesse es. Die Städte wechseln zu rasch. Würde schöne verdutzte Gesichter geben, wenn ich auf der Straße jemanden fragen würde: "Entschuldigen Sie, wo bin ich eigentlich?"



Geheimagent fliegt auf
05. Oktober 2007

Wenn man zuviele Agentenfilme sieht (bei mir zuletzt: Das Bourne Ultimatum), sieht man überall Agenten. Im Zug saß mir ein grauhaariger, gutaussehender Mann gegenüber. Als er sein Handy wegsteckte, sah ich in seiner Tasche zwei weitere Handys. Wozu braucht ein Mensch drei Handys? Dann öffnete er seine Brieftasche – alles voll Kreditkarten! Ich habe einen Blick auf seinen Namen erhascht, als er dem Fahrkartenkontrolleur eine Kreditkarte gab. Soll ich ihn auffliegen lassen?

Gestern bei der Lesung in Wiesbaden gab es fantastische Kekse. Ich habe sie in hohen Tönen gelobt. Daraufhin reichte mir der Buchhändler am Ende der Veranstaltung vor aller Augen den letzten Keks auf einem silbernen Tablett. Ein Scherz gab den anderen ... Es herrschte gute Stimmung, so mag ich es.

Auf dem folgenden Bild sieht man Michael Bregel und mich bei der Lesung in Bayreuth. Sie war Teil des Deutschen Geographentages. Naturkatastrophen waren das Thema dieses Jahr, da paßten Die Todgeweihte und Basileia als Abendprogramm. Wir hatten viel Spaß, das sieht man, oder?

Michael habe ich vor Jahren kennengelernt, er hat mich damals für die Berliner Morgenpost interviewt. Seitdem treffe ich mich mit ihm und seiner Frau Isa am immer gleichen Ort zur immer gleichen Uhrzeit in Berlin – wie ich Rituale liebe! Er hat einen spannenden Berufsweg hinter sich. Bei der Morgenpost war er Textchef, kündigte dann aber, unter anderem wegen seiner Liebe zu Comics. Heute ist er erfolgreicher Übersetzer und Autor von Disney-Comics.



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