Wasser

Heute morgen habe ich im Bad den Wasserhahn aufgedreht, und es kam nur ein leises Ächzen heraus. In der Küche: dasselbe. Ich ging im Pyjama vor das Haus, um zu sehen, ob ein Zettel angebracht war, der vorübergehende Arbeiten an der Wasserleitung ankündigte. Nichts.
In früheren Zeiten wäre man wohl mit einem Eimer zum Bach gegangen, um sich Wasser zu holen. Ob’s hier noch Brunnen gibt? In der Burgruine vielleicht? Ich hatte eine Flasche Mineralwasser da. Also habe ich mit Mineralwasser Zähne geputzt und mich mit Mineralwasser gewaschen – das geht recht gut!
Seltsam aber, wie man plötzlich spart. Jeder Schluck aus der Flasche ist wertvoll.
Hm, hm

Wir haben gestern und vorgestern die ersten drei Folgen von "Auserlesen" gedreht (das macht man hintereinanderweg, damit die Bühne nicht immer wieder auf- und abgebaut werden muß). In der ersten Sendung war ich sehr aufgeregt. Mein Gast, Andreas Malessa, war gerade bei Johannes B. Kerner gewesen und bei Frank Elstner, außerdem moderiert er seit 1991 eigene Talksendungen im SWR-Fernsehen. Mir saß also ein Profi gegenüber. Allerdings erwies sich das als großes Glück: Er hat meine Anfängerfehler locker überspielt und uns eine wunderbare, unterhaltsame Sendung geschenkt.
Nur ein Fehler hat mich gestört, als ich hinterher die Sendung anschaute: Ich habe zu oft "hm, hm" gemacht, wie ich es in Gesprächen tue, um dem Gegenüber zu signalisieren, daß ich aufmerksam zuhöre.
Bei den nächsten zwei Talkgästen war ich dann schon geschickter und habe stumm genickt und gelächelt. Und zwischendrin neue Fragen gestellt, natürlich. Hat alles viel Spaß gemacht! Ich habe neue Dinge kennengelernt wie Traversen, das Angeln, den Ü-Wagen, die Totale, den Zwischenschnitt, und, wichtiger noch, ich habe geübt, locker dazusitzen (in der ersten Sendung war das noch nicht so recht gelungen), habe mich dem fordernden, einsaugenden Auge der Kamera gestellt und Bücher so in die Kamera gehalten, daß sie das Licht der Scheinwerfer nicht reflektierten.
Die folgenden Bilder zeigen – von oben nach unten – den Radio- und Fernsehjournalisten Andreas Malessa, den C.S. Lewis-Übersetzer Christian Rendel und den Romanautor Albrecht Gralle. In dieser Reihenfolge werden wohl auch die ersten drei Folgen von "Auserlesen" ausgestrahlt.
Wer nicht im Sendegebiet von rheinmaintv wohnt, kann die Sendungen im Internet anschauen. Ich gebe rechtzeitig die URL durch.
Literatursendung auf rheinmaintv

Ich darf eine neue Literatursendung mit dem Titel "Auserlesen" moderieren. Zunächst viermal im Jahr werde ich Autoren, Übersetzer, Dichter und Verleger ins Fernsehstudio einladen und mit ihnen über Bücher und ihren Hintergrund sprechen. Die Sendung soll durchaus auch Tiefgang bekommen: Ich rede mit den Talkgästen ebenso über ihre Weltanschauung und ihren Glauben, und frage, welchen Einfluss ihre Überzeugungen auf ihr Schreiben haben. Die erste Sendung wird am 8. Juli, 15:30 Uhr ausgestrahlt. Talkgast ist Hörfunk- und Fernsehjournalist Andreas Malessa, der gerade mit seinem „Kleinen Lexikon religiöser Irrtümer" auf der FOCUS-Bestsellerliste steht. Sehr empfehlenswert ist auch sein Buch über Heinz-Horst Deichmann: "Warum sind Sie reich, Herr Deichmann?"
Das Keuchen der Kraken

Manchmal verlese ich mich. Da stand in einem Buch: "Das Keuchen der Kranken", und ich las "Das Keuchen der Kraken". Das geht mir nun nicht mehr aus dem Kopf. Ich sehe riesenhafte Kraken vor mir, alte Kraken, die auf einer fernen Insel beieinandersitzen. Sie sagen nichts. Sie verstehen sich wortlos. Weil sie so alt sind, keuchen sie beim Atmen. Wäre ich Fantasyautor, dann hätte ich eine gute Szene.
Ihr mochtet den Ritter nicht, der oben rechts auf meiner Website zu sehen war. Das habe ich seit der Neugestaltung wieder und wieder zu hören gekriegt, und es ist gut so, ich danke für euer Feedback! Ich bin ja doch nicht Fantasyautor, und der Ritter sah zu sehr danach aus. Also habe ich mir die Websites meiner Kollegen angesehen, und bemerkt, daß die Kollegen ihre Leser freundlich anschauen. Das tue ich jetzt auch, oben rechts und 24 Stunden am Tag, ob es regnet, hagelt oder stürmt. So bin ich!
Apropos Kollegen: Andreas Eschbach ist ein Autor, vor dem ich viel Respekt habe, weil er grandios schreibt. Ich habe ihn vor sieben Jahren kennengelernt, da war ich 22 und noch zwei Jahre von der ersten eigenen Romanveröffentlichung entfernt. Ich habe ein Autorentreffen in Berlin veranstaltet, das zweite "Federwelt Autorentreffen" (das sind die, die jetzt so erfolgreich in Nürnberg laufen jedes Jahr), und habe Andreas Eschbach als Referenten eingeladen. Bis heute bin ich ihm dankbar dafür, daß er mir blutigem Anfänger zugesagt hat, und sogar bereit war, in einem Gästezimmer im Seniorenheim zu übernachten, das ich besorgt hatte. Als er mich damals fragte: "Gibt es Frühstück irgendwo?", da habe ich die Achseln gezuckt. Soviel zum Thema gute Betreuung von Autoren bei Lesungen. Hoffentlich liest hier keiner meiner Veranstalter mit.
Warum ich euch von Andreas Eschbach erzähle? Ich habe an der Tankstelle an sein neues Buch gedacht. "Ausgebrannt" heißt es. Die Tankstelle gehört zu einer großen Kette, man sollte meinen, da geht nichts schief. Ich hängte den Stutzen in den Tank, hielt den Abzug und wartete. Erst habe ich überhaupts bemerkt, dann aber fehlte das leise Zischen von fließendem Benzin, und ich bemerkte, daß die Anzeige der Säule noch auf Null stand. In diesem Augenblick kam der Tankwart aus dem Haus und sagte: "Von Super ist nichts mehr da." Er klebte vor meinen staunenden Augen Zettel an die Tanksäulen.
Während ich da stand neben meinem Auto und nicht fassen konnte, daß ich unverrichteter Dinge weiterfahren mußte, hat sich in mir drin die arrogante Selbstsicherheit eines Westeuropäers zusammengefaltet. Ich hatte ahnte plötzlich, daß vieles, das ich für unumstößlich halte, gar nicht so verläßlich ist, und daß meine Geburtsprivilegien eines Tages zerbröseln könnten.
Ich empfehle hier sehr selten Bücher. Lest die von Andreas Eschbach. "Der Letzte seiner Art" habe ich zuletzt gelesen – es war brillant. Nun ist "Ausgebrannt" an der Reihe. Hoffentlich bleibt es noch eine Weile Sciencefiction.
Hörbuch bei Aldi für 2,99 Euro

Die Siedler von Vulgata gibt es ab dem 11. Juni bei Aldi Süd in einer neuen Hörbuch-Edition. Sie kostet 2,99 Euro. Schauspieler Hannes Jaenicke liest das Sciencefiction-Drama und schafft eine schaurige, mitreißende Atmosphäre. Hörprobe
Lesung in Second Life

Das renommierte Literatur-Café eröffnet seine Dependance in Second Life. Auftaktveranstaltung ist eine Lesung mit Petra A. Bauer, Oliver Buslau und Titus Müller unter dem Titel "Mord und Mittelalter" am 14. Juni, 20:00 Uhr im digitalen Baden-Württemberg. Eine Wegbeschreibung und weitere Informationen findet ihr hier.




