Weintrauben aus Südamerika

Mich hat’s erwischt. Drei Tage in Folge Fieber. Was ist das für eine seltsame Grippe? Weil die Vorräte aufgebraucht waren, mußte ich heute wenigstens kurz das Haus verlassen und Nachschub besorgen. Ich habe Obst und Gemüse gekauft. Weintrauben aus Argentinien, Orangen aus Spanien, Chicorée aus Frankreich, Äpfel aus Deutschland und Möhren aus den Niederlanden. In welchem Luxus wir leben! Alles zusammen kostete 5,15 Euro. Für gute fünf Euro schaffen Fernhändler für uns Weintrauben aus Südamerika heran, Orangen aus Spanien usw. Wenn ich das mit mittelalterlichen Augen sehe ... Leute, wir sind reich.
Puderzucker

Ich schlafe unter einem Dachfenster. Gestern abend schlief ich zu funkelnden Sternen ein. Dann wachte ich heute zu Schneeflocken auf, die sanft wie Puderzucker auf das Fenster herabsanken. Von Zeit zu Zeit blies sie der Wind zu einem neuen Muster, wie beim Kaleidoskop, mit dem wir als Kinder gespielt haben. Ist das Leben nicht ein Wunder?
Sibylle schrieb:
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Meine Mutter hat mir "die Brillenmacherin" geschenkt. Schon von der ersten Seite an war ich fasziniert! Die Art wie Sie schreiben gefällt mir extrem gut. Aber es gibt da noch eine andere Sache.
Ich komme aus der Schweiz und vor mehr als 20 Jahren ging ich nach Kettering um Englisch zu lernen. Dort lernte ich dann auch meinen jetzigen Mann kennen. Seine Eltern leben jetzt in Rothwell und wann immer wir sie mit unseren Kindern besuchen, führt mich mein Mann nach Braybrooke zum Essen in den Swan aus! Sie glauben ja gar nicht wie ich mich über dieses Buch freue. Leider kann ich immer nur am Abend lesen und dadurch bin ich erst in der Hälfte. Aber es ist das Beste vom Tag!
Ich erzähle dann immer davon meinem Mann und er erzählt mir dann von Braybrooke. Er war damals Farmer und wann immer er in der Gegend von Braybrooke auf den Feldern war, ging er oben auf den Hügel (dort wo die Burg war) und ass sein Mittagessen. Für ihn war das immer das schönste! Und jedes Mal wenn er durch Braybrooke fahren musste, warnte ihn sein Chef, dass er mega aufpassen müsse wegen der Brücke. Für die Traktore war sie sehr eng.
Die eine Grossmutter von meinem Mann kam aus Nottingham und die andere aus einem ganz kleine Dorf bei Doncaster (York). Wenn wir sie besuchen (das tun wir jedes Mal), müssen wir die Strasse entlang fahren wie im Buch beschrieben. Es ist herrlich....
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Ich hätte nie gedacht, daß sich jemand bei mir melden würde, der Braybrooke kennt. Details in einen Roman einzubauen, die ich beim Besuch des Schauplatzes kennengelernt habe, macht mir Spaß, auch wenn ich weiß, daß es keiner merken wird. Diesmal aber ist man mir auf die Schliche gekommen. Der Swan, der Platz der Burg, die Brücke – ach, Braybrooke atmet Geschichte, und irgendwie bin ich doch glücklich, daß das jemand gemerkt hat.
Dreharbeiten im Planetarium

Es gibt dieses Prinzip, daß man Dinge wegwerfen muß, um etwas Gutes übrigzubehalten. Das Gute würde inmitten vom Müll nicht zur Geltung kommen. Ein Profi-Fotograf schießt hundert Bilder, damit das eine zauberhafte dabei ist. Die anderen neunundneunzig wirft er weg. Heute habe ich das hautnah erlebt. Der ERF hat mit mir im Planetarium Wolfsburg ein Interview und eine kleine Lesung aus den "Siedlern von Vulgata" gedreht. Vier Stunden Aufzeichnungen für vier Minuten Sendezeit. Besonders freue ich mich auf die Szene, in der ich lese, während sich auf dem Sternenhimmel über mir eine Galaxie nähert, ein leuchtender, sich drehender Spiralnebel. Die Crew war begeistert von dieser Aufnahme. Wenn ich die Sendezeiten erfahre, sage ich euch Bescheid.
Zurück zum Prinzip. Ich überarbeite gerade die ersten 200 Seiten des neuen Romans, und ich staune, wie sehr sich Szenen verbessern, wenn ich das Ende abschneide. Oder Sätze, wenn ich Adjektive streiche. Ja, ja, ich habe das schon immer gemacht, erst viel hingeschrieben, und dann einen Teil wieder gestrichen – diesmal aber erlebe ich den Prozeß bewußter. Ich nehme beim Überarbeiten auch Übertreibungen raus. Ein großer Hund, der meiner Protagonistin bis zum Bauch ging, reicht jetzt nur noch bis zur Hüfte. Tränen sind gestrichen, steigernde Adverbien entfernt. Ob man immer zuerst übertreibt, weil man die Geschichte intensiv machen will, und beim dritten oder vierten Lesen bemerkt man, daß sie auch ohne diese Übertreibungen trägt und sogar glaubwürdiger und stärker wird, wenn man sie ein wenig bändigt?
Auf meinem Nachbargrundstück gibt es ein Baumhaus. Ich mußte schmunzeln, als ich vorbeilief. Da hängt ein Schild am Baum: "Eltern haften für ihre Kinder". Von Kinderhand geschrieben.
Sieben Stunden Verspätung

Weihnachten hieß für mich diesmal, in Kalifornien Orangen zu pflücken. Ich war erstaunt, wie verführerisch sie duften, wenn sie einfach so im Garten wachsen, ungespritzt und die Schale nicht mit Wachs verschlossen. Es sind andere Früchte, viel schmackhafter.
Den Kolibri glaubt ihr mir sowieso nicht, der vor mir in der Luft stehenblieb und mich neugierig ansah, als ich mit dem Notebook vorm Haus in der Sonne saß und arbeitete. Also erzähle ich davon, wie es ist, wenn man im Flughafen von Los Angeles sitzt und das Flugzeug, das einen nach Deutschland bringen soll, sieben Stunden Verspätung hat.
Es bedeutet, am Roman zu arbeiten, bis der Akku leer ist. Sich zu ärgern, daß man keinen Adapter für amerikanische Steckdosen im Handgepäck hat, obwohl man das Glück hat, neben einer zu sitzen. (Ich höre sie lachen, diese Steckdose, während ich per Kugelschreiber auf der Manuskriptrückseite diesen Blogeintrag notiere.)
Die Flughafenpolizei fährt auf Mountainbikes durch die Flure. Ich gebe 15 Dollar für ein Buch aus. Mein Flug geht halb drei in der Nacht, statt 19:15 Uhr. Aber seltsamerweise bin ich zufrieden. Ich habe Wasser, vom Essensgutschein der Airline gekauft. Ich habe einen Stift und Papier. Und einen Beruf, den man an jedem Ort der Erde ausüben kann.
Im Deutschbuch fürs Gymnasium

Mein Gedicht Potsdamer Platz steht im neuen Deutschbuch für Achtkläßler im Gymnasium. Cornelsen geht herrlich praktisch an den Text heran: Die Schüler sollen Zeilen umstellen und die letzte Strophe verändern. Vielleicht wird so bei jemandem die Lust am Schreiben geweckt? (Als ich noch in der Schule war, hätte ich mir nie träumen lassen, daß die Schüler ein paar Jahre später einmal meine Gedichte analysieren würden.)
Hörbuch bei Aldi

Im Paket Große Stimmen – Unheimliche Unterhaltung bei Aldi Süd ist der Roman Die Siedler von Vulgata enthalten, gelesen von Hannes Jaenicke. Zum Paket von 12 CDs gehören außerdem Geschichten von Edgar Allan Poe, Wolfgang Hohlbein, Nikolaj W. Gogol und anderen. Als Lesende wurden Peer Augustinski, Katja Riemann und weitere Größen der Filmwelt engagiert. Reinhören
Musical Basileia

Die Todgeweihte basiert auf dem Musical Basileia. Gestern habe ich es endlich gesehen (Premiere war am 17.10.). Ich bin begeistert! Ein Feuerwerk aus Filmmusik, Tanz, Schauspiel und Gesang, mit Stars aus Cats, Jesus Christ Superstar und Les Misérables. Ich habe gezittert, geschwitzt, geheult.
www.musicalbasileia.com




