Zwei Radiointerviews
18. März 2010

Ich bin auf der Leipziger Buchmesse und habe gerade zwei Radiointerviews zur Jesuitin von Lissabon gegeben. Das eine wird auf NDR Kultur im "Journal extra" heute abend 19:00 Uhr gesendet, das andere auf Antenne Brandenburg nächste Woche Donnerstag in der "Kultur-Szene", also am 25.03., 21:00 Uhr.



Historische Romane schreiben
17. März 2010

Wer historische Romane liest, will in eine Geschichte eintauchen. Er möchte die vergangene Welt mit allen Sinnen spüren und erleben. Wie werden Figuren lebendig? Wie lässt sich eine Szene so gestalten, dass sie wirklich vor Augen steht? Das erklären Kathrin Lange und ich in einem Seminar in der Textmanufaktur. Von der Recherche über den Szenenaufbau, die Dialoge bis zum sinnlichen Erzählen und der Feinarbeit umfasst unser Seminar alles, was das "Fleisch" eines historischen Romans ausmacht. Schreibt ihr? Meldet euch an, es sind noch Plätze frei. Die ZEIT schrieb: "Die Textmanufaktur ist ein kleines Wunder." Erleben wir’s gemeinsam!



Die Jesuitin von Lissabon
02. März 2010

Frisch in den Buchhandlungen eingetroffen: Mein neuer Roman Die Jesuitin von Lissabon. Worum es geht? Antero Moreira de Mendonça hasst die Jesuiten. Als ein Erdbeben von biblischer Wucht Lissabon 1755 zerstört und die Jesuiten den Zorn Gottes predigen, sieht der junge Naturwissenschaftler die Gelegenheit gekommen, sich am Orden zu rächen. Doch Gabriel Malagrida, der als Prophet verehrte Jesuitenführer, ist ihm ein machtvoller Gegner. Mit Hilfe der deutschen Kaufmannstochter Leonor gelingt es Antero, dem Kerker und der Hinrichtung zu entgehen. Was Antero nicht weiß: Leonor gehört zur Gefolgschaft der Jesuiten. Für wen schlägt Leonors Herz – für Antero oder ihre grausamen Glaubensbrüder?



Buchtrailer zur Jesuitin
24. Februar 2010

Bei Youtube gibt es jetzt einen Trailer zur Jesuitin von Lissabon, gestaltet vom Aufbau-Verlag. Mich begeistern vor allem die Staubflocken vor der Linse, sie geben dem Film Kinoflair, finde ich. Hier geht’s zum Trailer.

Außerdem hat Aufbau eine Themenseite zum Roman eingerichtet, mit Interview, historischen Hintergründen und einer Leseprobe. In einer Woche kommt das Buch in die Läden. Bin schon richtig aufgeregt ...



Erstes Buch in Polnisch
24. Februar 2010

Vom Glück zu leben ist gerade in Polen erschienen, übersetzt von Marta Majorczyk. Der polnische Verlag hat jeden der Texte aufwendig illustriert, so kommt es, dass das Buch in Deutschland 160, in Polen 250 Seiten hat. Trotzdem kostet Mały poradnik szczęśliwego życia umgerechnet nur 6,50 Euro, als gebundenes Buch mit fliederfarbenem Lesebändchen. Bin beeindruckt!



Facebook
10. Februar 2010

Plötzlich sind alle auf Facebook. Dem Sog kann ich mich nicht entziehen. Habe zuerst eine persönliche Seite eingerichtet, nachdem aber immer häufiger auch Leser meiner Bücher geschrieben haben, ob sie nicht Facebook-Freund werden können, habe ich eine Fanseite gestartet. Dort werde ich künftig kleine Zwischenmeldungen bringen, Anekdoten aus dem Autorenalltag, Wichtiges und Unwichtiges, wozu eben Facebook einen verführt.

Dieses Journal führe ich weiter und melde mich alle zwei bis drei Wochen mit längeren Einträgen. Zur Facebook-Fanseite.

Heute habe ich mehrere Stunden damit zugebracht, die Texte für ein neues Lebenskünstler-Buch beim Brunnen Verlag in die richtige Reihenfolge zu bringen. Ich schreibe sie, wie sie mir eben einfallen, über zwei Jahre verteilt. Im Buch sollen sie harmonieren und abwechslungsreich aufgereiht sein. Morgen lese ich das komplette Manuskript, mal sehen, ob die Aufstellung mir gefällt.



Heiß Duschen
03. Februar 2010

Heute fiel mir im Bett, gleich nach dem Aufwachen, eine Geschichte ein. Wie einen Film sah ich sie vor mir. In solchen Momenten darf ich keine Zeit verlieren, indem ich mich erst anziehe, die Zähne putze und frühstücke – bis dahin wäre die Geschichte nur noch ein verschwommener Nebel. Also habe ich mich im Pyjama an den Computer gesetzt und geschrieben. Die Geschichte war gerettet.

Als ich mit dem Niederschreiben fertig war, fror ich.

Ich gehe heute abend Volleyballspielen, eigentlich hatte ich vor, erst nach dem Sport zu duschen. Aber ich brauchte Wärme. Also habe ich mich unter die Dusche gestellt. Es hat sich wunderbar angefühlt, wie das heiße Wasser über meinen Körper spülte und mich langsam aufwärmte.

Dieses ungeplante Duschen macht mir wieder einmal bewusst, welchen Luxus ich genieße. Ich kann so oft heiß duschen, wie ich möchte, ohne fürchten zu müssen, dass das Geld dann nicht mehr für Miete oder Essen reicht.

Ein Bad in 180 Liter Wasser kostet 25 Cent für das Wasser und 4,50 Euro für Strom oder Gas. Einmal zu baden kostet also 4,75 Euro. Zehn Minuten zu duschen kostet 1,50 Euro. Denkt ihr darüber nach? Ist euch bewusst, dass ihr euch das unbesorgt leisten könnt?

Jetzt fühle ich mich sauber und warm, und meine Haut ist erfrischt. Außerdem habe ich einen neuen Pullover angezogen, anthrazitfarben, ich habe ihn heute zum ersten Mal an. Ich bin glücklich! Der Tag kann beginnen.



Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben
29. Januar 2010

Wie ich meine erste Kurzgeschichte verkauft habe, auf der Toilette der Literaturwerkstatt Berlin meinen ersten Buchvertrag angeboten bekam und was ich bei der Arbeit an sieben Romanen gelernt habe – sozusagen die Essenz meiner Schreiberfahrungen –, das erzähle ich im neuen Buch Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben. Es geht um Figuren, Selbstmotivation, Spannung, um Fallen, in die ich getappt bin, und meine persönliche Herangehensweise an einen neuen Roman. Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben gehört zu einer neuen Reihe von Büchern für Autoren, herausgegeben von der Textmanufaktur Leipzig, in Leinen gebunden und mit Lesebändchen für 14,90 Euro. Hier gibt es die ersten 20 Seiten als kostenlose Leseprobe. Wer das Buch sofort haben möchte, kann es für 9,90 Euro als E-Book herunterladen.



Guido Dieckmann bei Auserlesen
22. Januar 2010

Der Film läuft noch in einigen Kinos. Guido Dieckmann, Autor von zehn historischen Romanen, hat das Buch zum Film "Albert Schweitzer" geschrieben, und beantwortet mir die folgenden Fragen: Wie es ist, ein Buch zum Film zu schreiben? Warum schmiss Albert Schweitzer mit 30 Jahren alles hin, studierte noch einmal Medizin und ging nach Gabun in Zentralafrika, um als Arzt die Bevölkerung zu versorgen? Warum brachte seine Freundschaft mit Albert Einstein ihn in Gefahr? Hier könnt ihr unser Gespräch sehen, und einen Auszug aus dem Film.



Im Studio
14. Januar 2010

Die Jesuitin von Lissabon erscheint im März auch als ungekürztes Hörbuch. Deshalb war ich heute im Studio scenario und wir haben das Interview aufgenommen, das im Roman abgedruckt ist. Mir fiel erst in der U-Bahn auf, dass ich das ja niemals so ablesen könnte – ein abgelesenes Interview hört sich doch bescheuert an. Also habe ich rasch auf den Zetteln umformuliert, und dann vor dem Mikro improvisiert. Ich glaube, es ist gut geworden. Alexander Catarinelli hat mir wunderbar dabei geholfen, entspannt zu antworten, indem er zwischendrin kommentiert hat, was ich gesagt habe (seine Kommentare werden nicht auf dem Hörbuch zu hören sein). Überhaupt ist es ein sehr sympathisches Team im Studio.

Den Rest des Tages habe ich die Druckfahnen der Jesuitin korrekturgelesen, ich schaffe jeden Tag rund 100 Seiten. Gut, dass die eigentlichen Aufnahmen für das Hörbuch erst in zwei Wochen beginnen – so kann ich dem Studio tonus arcus, in dem Tobias Dutschke den Roman einlesen wird, noch rechtzeitig eine neue Fassung des Manuskripts zukommen lassen.

Ist die Jesuitin abgeschlossen, geht es für mich gleich mit der nächsten Druckfahne weiter: Im Februar erscheint beim Textmanufaktur Verlag mein Buch Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben. Dazu erzähle ich euch später einmal mehr. Wer es gar nicht aushält und schon eine Leseprobe haben will: Die ersten zwanzig Seiten gibt es hier als PDF.



Neues Cover
18. Dezember 2009

Heute habe ich das erste Interview zur Jesuitin von Lissabon gegeben, und zwar für die Zeitschrift kontinente, die von rund 30 katholischen Orden herausgegeben wird. Ich hatte mir Sorgen gemacht, weil die Jesuiten in meinem Roman nicht besonders gut wegkommen, aber es war ein vergnügliches und sehr angenehmes Gespräch mit Chefredakteurin Hildegard Mathies. Sie hat offen gefragt, ich habe offen geantwortet, und wir haben uns blendend verstanden. Ich konnte im Interview auch sagen, was ich an den Jesuiten gut finde.

Die Fotos hat Gabor Geissler gemacht. Er hat schon am Vortag Cafés ausgekundschaftet, weil das Licht stimmen musste und keine Weihnachtsdekoration zu sehen sein durfte (die Zeitschrift erscheint im März). Er führte uns heute in ein helles Café mit Glaswänden. Für weitere Fotos sind wir an einen See gefahren, und ich habe Gänse gefüttert – die hätten mir bald die Hand abgebissen –, und anschließend fuhren wir zum Hauptbahnhof, wo sich Gabor einen Stuhl von einem Café geklaut hat und einen Mann von einer Bank verscheuchte, damit ich mich mit Gabors Notebook hinsetzen und so tun konnte, als würde ich schreiben.

Das Cover des Romans steht inzwischen auch. Im ersten Entwurf sollte es so aussehen:


Das hat den Vertretern aber nicht gefallen, die für den Verlag in die Buchhandlungen reisen, und so wurde ein anderes Cover entworfen. Die Jesuitin wurde zu Die Jesuitin von Lissabon und liegt ab März in dieser Optik in den Buchläden:

Noch eine kleine Anekdote vom Korrekturlesen: Konnte die Schrift meines Lektors nicht richtig lesen, und las zuerst, “eine Horde Schafe”. Ich musste so darüber lachen! Natürlich meinte er “eine Herde Schafe”, aber “eine Horde Schafe” wäre doch mal etwas Neues, kleine randalierende Schafe.

Ich wünsche allen Journal-Lesern ein friedliches, gesegnetes Weihnachtsfest!



Stille Texte
11. Dezember 2009

Im Roman Nachtflug, den ich gerade lese, erzählt Antoine de Saint-Exupéry: "Die Stille der Büros tat ihm wohl. Er durchschritt sie langsam, eines nach dem andern, und sein Schritt hallte einsam wider. Die Schreibmaschinen schliefen unter ihren Hauben." Diesen letzten Satz liebe ich. Ich verliebe mich in letzter Zeit häufiger in stille Texte, wie zum Beispiel den Roman Die Lieder des Mr. Blake von Tracy Chevalier (im Taschenbuch heißt er Das Mädchen mit den funkelnden Augen). Meine Leseempfehlung!



Lesung verpasst?
24. November 2009

Hier könnt ihr sie hören: Im Podcast meines – sehr sympathischen – Kollegen André Wiesler gibt es 22 Minuten Mitschnitt meiner Lesung aus Das Mysterium im Rahmen der Langen Lesenacht des Montségur-Autorenforums in Oberursel. Auch die anderen Podcast-Sendungen sind spannend. Da lesen zum Beispiel Sebastian Fitzek, Bernhard Hennen oder Christoph Hardebusch. Zur Podcast-Übersicht.



Übersetzerin ins Polnische
24. November 2009

Habe mich heute mit einer Lektorin im Café getroffen und über das Jugendbuch gesprochen (ich nenne es künftig einfach DIE TIEFE). Schön, dass auch das zu meinem Beruf gehört: In einem Café zu sitzen, einen spannenden neuen Menschen kennenzulernen, und über die Branche und Bücher und Formulierungen zu plaudern. Es war ein Vergnügen!

Dann folgte ein Mailwechsel mit der Übersetzerin Marta Alicja Majorczyk, die gerade Vom Glück zu leben ins Polnische überträgt. Das Buch soll nächstes Jahr erscheinen, und Frau Majorczyk ist eine genaue Leserin – das hat mich beeindruckt. Zum Beispiel ist ihr ein peinlicher Fehler aufgefallen, der mir beim Zitieren untergelaufen ist. Ich habe einen Satz aus "Herr und Hund" von Thomas Mann gebracht, und fälschlicherweise angegeben, er sei aus "Katz und Maus" von Günter Grass. Hatte bisher niemand gemerkt. Jetzt will ich es unbedingt für die nächste Auflage korrigieren.

Das Polnische hat Komplexität. Für ein Zitat aus "Franziska Linkerhand" musste die Übersetzerin wissen, ob Franziska die Sätze zu einer Frau sagt oder zu einem Mann. Bei uns ergibt das ja keinen Unterschied. (Oder doch?)



Großer Andrang im Schloss
15. November 2009

400 Leute drängten sich heute im Bergedorfer Schloss in den Gerichtssaal, das Erkerzimmer, den Kerker, das Soltauzimmer – und lauschten der Lesenacht auf allen vier Bühnen. Das sah so aus:

Auch der Büchertisch wurde “heimgesucht”.

Hier schiebt es sich, und sitzt und steht und lauscht. Was für ein klasse Publikum!

Ich falle jetzt müde ins Hotelbett und schlafe eine Runde. Riesendank ans Team im Schloss und an das Bezirksamt Bergedorf samt Bürgermeister, ohne die diese Lesenacht mit Schwertkampf, Mittelaltermusik und Figurenspiel nicht möglich gewesen wäre.



Historica in Hamburg
06. November 2009

Über 40 Autorinnen und Autoren historischer Romane sind nächste Woche zu Gast im Schloss Bergedorf und an anderen besonderen Orten, einer Sternwarte zum Beispiel, oder einer historischen Weinhandlung.

Die Historica, jetzt schon angekündigt auf 180 Hamburger Litfasssäulen und auf Plakaten am Straßenrand, findet ihren Höhepunkt in der Lesenacht am 14.11., ab 19:00 Uhr im Schloss Bergedorf. Dort wird auf fünf Bühnen vom Kellergewölbe bis zum Obergeschoss gelesen, bis Mitternacht, von Autoren wie Wolf Serno, Helga Glaesener, Petra Schier und vielen, vielen anderen (auch Titus Müller). Es gibt mittelalterliche Musik, Schwertkampf, Puppenspiel und Speis und Trank. Kommt zahlreich! Eintritt frei. Hier findet ihr das komplette Programm als PDF.



Drei kleine Erlebnisse von der Lesereise
20. Oktober 2009

Habe am Wochenende einer Frau ein Buch signiert, die heißt: Erika Steinkrake. Ein fantastischer Name, oder?

Ich fahre mit dem Zug in einen falschen Ort, und muss wieder umdrehen. Eine Frau steigt ein und fragt mich: "Fährt dieser Zug nach Hamburg?" Ich weiß es nicht, er fährt wieder zurück, aber wohin genau, kann ich nicht sagen. Bin gefrustet über meinen orientierungslosen Tag. Ich zucke die Achseln und sage: "Keine Ahnung, wo der hinfährt." Sie schaut mich verwirrt an. Dann lächelt sie. "Sie steigen einfach so in einen Zug ...?"

In Neumünster verpasse ich auch noch meinen Anschluss. Ich spaziere in den Regen hinaus, muss eine Stunde in diesem Ort verbringen, in den es mich ungewollt verschlagen hat. Es ist dunkel, die Läden haben schon geschlossen. Plötzlich Feuerwehrautos, Menschen mit Fackeln, eine Blaskapelle – und der gesamte Ort zieht an mir vorüber, Kinder mit Lampions, alle marschieren tapfer durch den Regen. Erst stehe ich mit meinem Koffer am Straßenrand, dann marschiere ich mit und ziehe den Koffer hinterher. Ich muss grinsen. Es kommt mir reichlich surreal vor. Fremde Menschen um mich herum, die mickrige Blaskapelle, der Regen. Wir marschieren durch den Ort, ohne Grund.



Die Jesuitin
25. September 2009

So wird er heißen, der neue Roman (ANTERO habe ich ihn bisher genannt). Der Erscheinungstermin wurde vorgezogen, er wird zur Leipziger Buchmesse nächstes Jahr veröffentlicht. Diese Woche habe ich einen Umschlagentwurf gesehen, der mir auf Anhieb gefallen hat. Mal sehen, was die Vertreter nächste Woche bei den Vertretersitzungen im Verlag zum Cover – und zur Leseprobe, die sie bereits erhalten haben – sagen.

Gestern haben wir drei "Auserlesen"-Sendungen aufgezeichnet. Zu Gast war unter anderem Barbara Ellermeier, eine studierte Historikerin und Archäologin. Als ich mit ihr über ihre Kinder sprach, sagte sie stolz über ihren zweijährigen Sohn: "Er kann schon Kreuzgang sagen." Ich musste so lachen!

(Sehr empfehlenswert übrigens ihr Hörbuch über die Weiße Rose, Harter Geist und weiches Herz.)



De vier karperkweekvijvers
20. September 2009

Als Autor hat man selten Erfolgserlebnisse. Damit muss man leben können. Alle ein bis zwei Jahre wird ein Buch fertig, zwei, drei Mal im Leben bekommt man einen Literaturpreis – in den langen Monaten und Jahren dazwischen tut es gut, sich an kleinen Dingen zu erfreuen.

Ich habe mich heute darüber gefreut, dass die Bibliothek Den Haag Anfang des Monats für drei ihrer Bibliotheken De vrouw van de brillenmaker (Die Brillenmacherin) angeschafft hat. Als ich auf ihre Website sah, waren alle drei ausgeliehen. Das finde ich bezaubernd. Da liest jemand – in Niederländisch – meinen Roman.

Falls ihr ihn in Deutsch zu Hause habt und aus Jux mal die Sprachen vergleichen wollt: Das erste Kapitel kann man sich kostenlos als PDF runterladen auf der Website des niederländischen Verlags de Banier. (Klickt einfach auf "Lees hier het 1e hoofdstuk!") Es fängt so an:

De vier karperkweekvijvers bij de oever van de rivier waren zo groot als meren. Het zonlicht glinsterde op het water. De wind blies de zaadjes van de paardenbloemen de lucht in en joeg ze als kleine zeilbootjes voor zich uit. Af en toe sprong een karper uit een van de vijvers op en hapte naar een pluisje.



Wo er Recht hat
15. September 2009

Für Auserlesen lese ich gerade zum zweiten Mal Was gibt's da zu lachen?! von Andreas Malessa. Mein Lieblingssatz (die Protagonistin wirft da Flaschen in einen Altglascontainer):

Deutschland ist das einzige Land der Welt, in dem auch Mülleimer Öffnungszeiten haben. "Werktags und samstags von 9.00 bis 13.00 und 15.00 bis 18.00 Uhr."



Urlaubsfotos, Lesungsfotos
31. August 2009

Die fünf Bücher für den Urlaub haben ziemlich genau gereicht. Viereinhalb habe ich gelesen. Hier seht ihr mich bei meiner Lieblingstätigkeit:

Auch sonst war’s fantastisch. Jeden Tag waren wir im Meer und haben hübsche Fische gesehen. Der Blick aus dem Zimmer – wenn ich mir das Bild jetzt angucke, bin ich gleich wieder in Urlaubsstimmung.

Oft haben wir Zauneidechsen beobachtet, eine haben wir Edward genannt (weil meine Freundin gerade Stephenie Meyer gelesen hat) und mit Weintrauben gefüttert. Später haben wir allerdings gesehen, wie eine ebensolche Zauneidechse brutal eine andere, kleinere, gejagt und dann verschlungen hat. Das sah weniger niedlich aus.

Wo wir schon bei Fotos sind, Julia Kröhn war so lieb, ein paar von der Lesenacht in Oberursel letzten Freitag zu machen. Danke, Julia!
  Hier stehen wir am Ende der Lesenacht nochmal gemeinsam vorn, von rechts nach links André Wiesler, Sebastian Fitzek, Katerina Timm, Charlotte Thomas und ich:
 Ein abwechslungsreicher, spannender Abend war's, auch für mich. Die Kinoatmosphäre hat Andreas Wilhelm hergezaubert, der mit gleicher Professionalität das Montségur-Autorenforum leitet. Chapeau! (Die weißen Dinger in unseren Händen sind keine Fernrohre, sondern Lesungsplakate, von denen wir jeder eins zur Erinnerung bekommen haben.)



Wie klug Rehe sind
31. August 2009

Vor ein paar Wochen habe ich mit meinem Bruder im Wald Rehe gesehen, und ich habe gestaunt, dass sie uns relativ nahe herankommen lassen haben, bevor sie sich – nicht panisch, sondern mit lässigen Sprüngen – entfernt haben. Jetzt weiß ich, warum.

Habe gestern beim Montsegur-Autorentreffen mit Peter Wohlleben am Mittagstisch gesessen. Peter ist Förster. Ich dachte, das ist die Gelegenheit, um zu fragen, ob es Förster manchmal nervt, wenn man die Wege im Wald verlässt und unter den Bäumen entlangspaziert.

Das störe überhaupt nicht, hat er gesagt. Es sei auch kein Stress für die Tiere. Die Rehe haben uns, sagte er, sofort als Spaziergänger identifiziert: Wir waren laut, also waren wir keine Gefahr. Aus diesem Grund haben sie uns unbesorgt nahe an sich herangelassen. Was die Tiere unter Stress setze, seien die Jäger. Da würden sie schon auf weite Distanz hin fliehen.

Peter hat erklärt, dass sie sogar die Autos der Jäger am Motorgeräusch erkennen. Die Rehe können einen VW Golf vom anderen VW Golf unterscheiden, nur danach, wie der Motor klingt. Kommen die Jäger, fliehen sie sofort.

Ich bin wirklich beeindruckt. Dass die Tiere den Unterschied zwischen Spaziergängern und Jägern begreifen, und uns sofort einordnen – der ist keine Gefahr, der geht hier nur spazieren –, das hätte ich nicht gedacht.

Ich muss mir mal eines von Peters Büchern zum Thema zulegen.



Lesen, baden, lesen
14. August 2009

Ich packe gerade für zehn Tage Italien. Wir werden hauptsächlich auf der Insel Ischia sein. Kein Computer, kein Manuskript – so etwas habe ich eine halbe Ewigkeit nicht mehr gemacht. Am Strand liegen, lesen, baden, lesen ... Reichen drei Bücher für zehn Tage? Was, wenn ich zwei ausgelesen habe, und auf das dritte habe ich keine Lust? Was, wenn dann meine Freundin noch Lesestoff für sich hat, und ich liege ohne Buch neben ihr am Strand? Ich muss unbedingt ein viertes Buch mitnehmen. Oder lieber fünf.

Ich möcht’ so gern Prinzessin sein! ist frisch erschienen und enthält ein lustiges Gedicht von mir. Falls ihr Kinder habt, die mit Prinzessinnen etwas anfangen können, der Einband ist teilweise aus Samt, es glitzert überall, und Cornelia Funke hat auch eine Geschichte beigesteuert. Mein Gedicht heißt: Prinzessin Gwynifer. Zum Buch



Nummer 77 ist die Beste
07. August 2009

Als Urgroßvater der Federwelt verfolge ich mit Genuss ihre Entwicklung. Gerade ist die beste Ausgabe der Autorenzeitschrift erschienen, die ich je in Händen gehalten habe. Chapeau, Sandra! (Chefredakteurin ist inzwischen Sandra Uschtrin.)

In Nummer 77 werden vierzehn Independent-Verlage vorgestellt, und zwar von ihren Verlegern selbst. Es gibt Tricks und Tipps für einen erfolgreichen Besuch der Frankfurter Buchmesse. Die Krönung aber ist für mich der Beitrag über mehr als zwanzig Literaturhäuser in Europa, in denen man als Autor eine Wohnung bekommen kann, um an seinem Manuskript zu arbeiten – von Gotland über Wales bis Finnland. Von denen wusste ich gar nichts!



Ein blindes Pferd
06. August 2009

Ich mag Pferde. Gerade habe ich eine anrührende Geschichte über ein Pferd namens Toscana gehört. Die Stute ist erblindet, sie sieht nur noch schemenhaft hell und dunkel, und findet nicht einmal mehr von der Weide herunter. Drei Frauen teilen sich das Versorgen des Tiers – mit einer von ihnen habe ich gesprochen. Das Erstaunliche: Toscana vertraut ihren Reiterinnen so sehr, dass sie sich blind von ihnen durchs Gelände reiten lässt, und zwar nicht nur im Schritt, sondern auch in Trab und Galopp!

Ohne zu sehen, wohin es geht, durch die Landschaft zu galoppieren ... Ich weiß nicht, ob es einen größeren Vertrauensbeweis gibt. “Wir sind jetzt ihre Augen”, sagte mir die Reiterin. “Früher haben wir uns beim Reiten zur Seite gedreht und uns unterhalten. Jetzt schauen wir aufmerksam nach vorn. Toscana sieht ja nichts mehr und braucht uns. Sie reagiert auf die feinsten Signale.”



Im Taschenbuch ein neues Cover
24. Juli 2009

Das Mysterium wird gerade an die Buchhandlungen ausgeliefert – in einer neuen Taschenbuchausgabe. Alles, was ihr auf diesem Cover in 3D seht, ist auch wirklich mit den Fingern fühlbar: Der bröckelnde Schriftzug, das brennende "e", sogar das flächige Leder im Hintergrund. Geht mal in eine Buchhandlung und fasst es an! :) Einen kleinen Stich im Herzen gibt es aber. Auf der hinteren Umschlagseite schreibt der Verlag: "Er wurde mit dem Sir Walter Scott-Preis für den besten historischen Roman ausgezeichnet." Das ist nicht richtig. Als bester historischer Roman der Jahre 2007-2008 wurde König von Albanien von Andreas Izquierdo prämiert, als zweitbester Simplon von Wolfgang Mock, und erst an dritter Stelle steht Das Mysterium. Kauft euch am besten alle drei!



Titus im Fernsehen
20. Juli 2009

Donnerstag, 23.07., 10:00 Uhr – wer zu dieser Zeit Das Vierte einschaltet, kann mich in der Sendung "Gott sei Dank!" sehen. Ich lese einen Abschnitt aus dem Kleinen Buch für Lebenskünstler vor und werde danach von Andi Weiss interviewt.



Auserlesen mit Julia Kröhn
15. Juli 2009

Julia Kröhn hat Geschichte, Philosophie, Theologie und Religionspädagogik studiert. Wer da eine intellektuell-staubige Sendung erwartet, wird sich wundern. Julia betreut Produktionen u.a. für Pro7, RTL und N24, und sie ist eine fleißige Autorin: Sechs Romane hat sie für für btb geschrieben, in nur vier Jahren. Und was für welche! Hier findet ihr die vollständige Folge von Auserlesen.



Träume und ein Interview
08. Juli 2009

Heute nacht habe ich geträumt, ich würde zu spät zu einer Lesung kommen, und dann vor den Leuten stehen und plötzlich nicht mehr wissen, wovon mein Roman handelt. Ich habe irgendwas gestottert und dann an eine zufällige Seite aufgeschlagen und zu lesen begonnen. Im Traum habe ich mir vorgenommen, meine Lesungen künftig besser vorzubereiten. Ha!

Tagsüber bin ich damit beschäftigt, Wörter zu suchen, an Sätzen zu feilen und Details nachzurecherchieren. ANTERO hat einige sehr starke Passagen. Andere schwächeln und müssen noch gefüttert werden. Lustig ist, dass ich den überraschenden Wendungen zum Teil selbst auf den Leim gehe.

Die Histo-Couch hat gerade ein Interview mit mir veröffentlicht. Als hätten sie gewusst, was ich nachts so träume, haben sie unter anderem gefragt: Wovor fürchtet sich der Autor Titus Müller? Die Antworten könnt ihr hier nachlesen.



Verlagsbesuch
03. Juli 2009

Mein nächster Roman, nennen wir ihn ANTERO, wird im Mai 2010 erscheinen. Ich war gerade in Berlin bei Aufbau und bin mit meinem Lektor das Manuskript durchgegangen. Der Stoff kommt bei den Verlagsvertretern gut an (das sind die Leute, die zu den Buchhandlungen reisen), und auch die anderen Abteilungen glauben, er hat Potential. Wir haben mit dem Programmchef am Tisch gesessen und einige Ideen hin und her gespielt, wie man das Buch bewerben könnte. Bin gespannt, was davon umgesetzt wird. Auch über das Cover haben wir schon gesprochen.

Ich werde jetzt die Arbeit am Jugendbuch unterbrechen, um die letzten Änderungen in ANTERO vorzunehmen. Habe den Roman seit Februar nicht mehr angerührt. Ich bin gespannt, wie er sich jetzt liest; mit der Distanz von vier Monaten ist es leichter, sich in die Leser hineinzuversetzen, denen die Geschichte völlig neu ist.



Fünf auf einen Streich
18. Juni 2009

Fehlt noch eine Lesung in eurer Urlaubsplanung? Am 28. August bekommt ihr in Oberursel bei Frankfurt/Main fünf auf einen Streich. Andreas Wilhelm hat diesen Abend organisiert. Moderieren wird Jürgen Bräunlein.


Es lesen: Katerina Timm aus Hexenschwester, Sebastian Fitzek aus Splitter, Charlotte Thomas aus Die Liebenden von San Marco, André Wiesler aus Wolfsfluch, und Titus Müller aus Das Mysterium. Im Parkhotel am Taunus, Hohemarkstr. 168, 61440 Oberursel werden noch etliche weitere Autoren im Publikum anwesend sein – die Lesenacht ist der Auftakt für das Montségur Autorentreffen, für das sich 82 Kolleginnen und Kollegen angemeldet haben. Die Lesung ist aber für jedermann offen. Nur keine Scheu. Wir freuen uns auf euch!



Mätscher
11. Juni 2009

Vor der Lesung in Wilsdruff bei Dresden betrete ich einen Schreibwarenladen, um kleine Haftzettel zu kaufen für Markierungen beim Lesen. Die Verkäuferin berät gerade einen Jungen, der ein Geschenk für die Geburtstagsfeier eines Spielkameraden sucht. Sie sagt: “Du kannst auch einen Mätscher nehmen.”

Sofort bin ich wieder in meiner Kindheit.

Ich habe bis zur Wende in der DDR gelebt. Für uns waren Mätscher damals der Inbegriff von Spielzeug. Wir haben unsere kleinen Matchbox-Autos auf dem Wohnzimmerteppich eingeparkt, wir haben ihnen Heftpflaster auf die Unterseite geklebt und ihre Maximalgeschwindigkeit daraufgeschrieben, wir haben ihre Federung getestet und ob sie von allein geradeausfahren.

Seit achtzehn Jahren habe ich dieses Wort nicht mehr gehört: Mätscher. Und das auch noch in Sächsisch! Jetzt bin ich gut gelaunt. Danke, Wilsdruff!



“Sie halten uns alle auf!”
08. Juni 2009

Habe es genossen, in Düsseldorf mit einer uralten Straßenbahn zum Bahnhof zu fahren. Der Boden bebt unter den Füßen, während sie heranrumpelt. Man kann es fühlen, wie schwer der Eisenkoloß ist. Nach dem Einsteigen setzt sich drinnen jedes Holpern, jedes Ächzen der Schienen in meinen Sitzplatz fort. Wir sind eins geworden mit dem eisernen Ungetüm, es hat uns verschluckt und zu einem Teil seiner Mechanik gemacht. Es fährt schon lange durch Düsseldorfs Straßen. Ich bin froh, daß es nicht ausgemustert wird.

Dann der ICE Düsseldorf–München. Ein gebrechlicher Mann mit Krücken müht sich, die Treppen in den Zug hinaufzukommen. Für jede Stufe braucht er eine Ewigkeit. Hinter ihm staut sich alles. Reisende verlassen die Schlange und weichen auf andere Türen aus, weil absehbar ist, daß es hier noch lange dauern wird. Endlich ist er drin, und auch ich kann einsteigen. Im Waggon kriecht er auf seinen Krücken vorwärts. Er muß wieder stehenbleiben, und wir hinter ihm genauso – diesmal allerdings, weil eine Traube von Leuten den Gang versperrt. Er schimpft: "Geht’s hier endlich mal weiter? Sie halten uns alle auf!"

Ich kann nicht fassen, daß er das sagt! Niemand hat ihn kritisiert (es wäre ja auch makaber, einen alten Mann auf Krücken anzutreiben). Mich verblüfft, daß er sich nicht dessen bewußt ist, welchen Stau er selbst verursacht. Er schimpft nach vorn, während er hinter sich Reisende zu größter Geduld zwingt. Wie blind wir manchmal sind!



Die Brillenmacherin in Niederländisch
26. Mai 2009

Die Brillenmacherin ist nach Spanien nun auch in den Niederlanden erschienen. Das Buch hat 510 Seiten, in der deutschen Ausgabe waren es 440. Liegt es an Satz und Layout, oder an der Sprache? Bei historischen Romanen ein guter Effekt, da mögen die Leser ja dicke Bücher. De vrouw van de brillenmaker, 19,95 Euro, Banier. Bestellen



Titus im Kochbuch
13. Mai 2009

Wer mich kennt, wird bestätigen: Ich kann nicht kochen. Bei mir gibt es Nudeln oder Tiefkühlpizza oder Buttergemüse von Aldi. Trotzdem bin ich irgendwie in dieses Kochbuch gerutscht: “Essen kommen! 100 Prominente verraten ihre Lieblingsrezepte”, und schreibe über Aldi-Buttergemüse. Die anderen im Buch können wirklich kochen: Alfred Biolek, Angela Merkel, Cindy aus Marzahn, Andreas Eschbach, Gregor Gysi, Ken Follet, Frank-Walter Steinmeier, Janosch, Reinhold Messner, Paul Maar, Jürgen von der Lippe, Rüdiger Hoffmann, Annett Louisan und so weiter.

Der Gewinn aus dem Verkauf des Buchs geht an das Sozialarbeitsprojekt “Kirche im Container” in Oranienburg bei Berlin. Dort treffen sich seit zehn Jahren die Kinder für Hilfe bei den Hausaufgaben – und ein warmes Essen.



Ralf Isau bei Auserlesen
04. Mai 2009

Er hat 29 Bücher geschrieben und ist in 12 Sprachen übersetzt. Ralf Isau erzählt mir bei Auserlesen, wie er Michael Ende (Die unendliche Geschichte, Momo) ansprach, und wie ihm der Altmeister zur ersten Veröffentlichung verhalf. Heute ist er selbst vielgelesener Autor von Romanen wie der Neschan-Trilogie oder Der Mann, der nichts vergessen konnte und verrät, wo er sich Anregungen für seine Romane holt. Fotos von seinem Schreibtisch oder von ihm als Fünfjährigem gibt es auch in der vollständigen Sendung online.



Jetzt fliegt sie wieder
30. April 2009

Habe gerade im Hausflur eine Hummel gefunden. Sie lebte noch, aber sie konnte sich kaum mehr bewegen. Sicher hat sie sich verirrt und hat nicht mehr nach draußen gefunden. Ich habe sie außen aufs Fensterbrett gesetzt und bin wieder in die Wohnung gegangen.

Toll, jetzt stirbt sie also unter freiem Himmel, dachte ich. Sie sollte leben! Ich habe einen Löffel Honig genommen und meinen kleinen Finger mit Wasser benetzt, und bin raus zur Hummel gegangen. Das Wasser wollte sie nicht, aber als ich ihr den Honiglöffel hinhielt, öffneten sich die kleinen Mundwerkzeuge, und die Zunge kam heraus und schleckte Honig. Ich vermischte den Honig mit Wasser, damit sie ihn besser trinken konnte.

Hummeln haben eine ziemlich lange Zunge. Sie ist rötlich. Je länger die Hummel Honig fraß, desto aufgeregter wurde sie. Sie fing an zu zittern, und ihr Hinterleib pulste – ist das das Herz, das wieder kräftiger schlägt, oder die Atmung?

Irgendwann hörte die Hummel auf zu fressen. Sie saß noch einige Momente still da, und dann flog sie los.

Ich bin erkältet, habe fast keine Stimme, und soll heute abend in Northeim aus dem Mysterium lesen. Außerdem soll bis morgen die Leseprobe des neuen Romans fertig sein. Ich bezweifle, daß der Tag ein großer Erfolg wird. Trotzdem bin ich glücklich. Ich habe ein kleines pelziges Geschöpf gefüttert, und jetzt fliegt es wieder.



Die weite Reise einer Postkarte
29. April 2009

Dieser Tage habe ich eine Postkarte bekommen, auf der mir zum Geburtstag gratuliert wurde.

Lieber Titus, für dein neues Lebensjahr wünsche ich dir Zuversicht, Geduld, Entschlossenheit, Mut und Freude ...

Und so weiter. Ich war verwirrt. Mein erster Gedanke war, ich könnte meinen eigenen Geburtstag vergessen haben. Dann fiel mir ein, daß ich im Oktober Geburtstag habe. Lustigerweise schreibt die Absenderin:

Da ich fast sicher bin, daß diese Karte dich nicht mehr zum Geburtstag erreicht, wünsche ich dir ...

Die Karte wurde am 2. Oktober 2008 abgeschickt. Also war sie fast sieben Monate unterwegs. Sie kommt aus Georgien. Womöglich ist die Verzögerung dem Südossetien-Konflikt geschuldet.

Ich liebe Häfen und Züge und die schnurgeraden Straßen Amerikas. Auf ähnliche Weise fasziniert mich der lange Reiseweg, den die Postkarte zu mir genommen hat.

Was ist an Reisen so spannend? Warum sind ferne Orte immer interessanter für mich als der Ort, an dem ich gerade bin? Aus Häfen laufen die Schiffe aus und überqueren Ozeane. Züge fahren nach Amsterdam und Paris und Zürich. Das gefällt mir.

Mein neuer Roman erzählt auch von einem fernen Ort. Ich warte noch auf den Vertrag, dann buche ich einen Flug und schaue mir die Gegend an. Ich habe ein wunderbares Alibi dafür, zu reisen.



Bananen
10. April 2009

Nach einigen Wochen Recherche habe ich heute die erste Seite des neuen Romans geschrieben. Darauf wird ein Hase gehäutet, ein Schwert umgeschnallt und ein Topf mit Bohnen umgerührt. Es wird gespottet, und ein toter Held wird verehrt. Natürlich werde ich die Seite noch oft von neuem schreiben.

Ich bewege mich diesmal im frühen Mittelalter. Das verrate ich nur, weil ich mich nicht beherrschen kann und euch eines meiner Fundstücke zeigen muß. Bei den Recherchen bin ich auf einen Text aus dem 10. Jahrhundert gestoßen. Ein Mann beschreibt, wie er seine erste Banane gegessen hat: "Eine Frucht in der Form einer Gurke, aber wenn sie geschält wird, ist das Innere der Wassermelone nicht unähnlich, nur von feinerem Geschmack und köstlicher."



Heimkehr
19. März 2009

Wenn ihr einen Kerl seht, der Hunderte bunter Klebezettelchen in Bücher steckt und bei jedem vor Begeisterung strahlt – das bin ich. Ich war schon immer wißbegierig. Was ich aber derzeit entdecke, ist mehr als faszinierend. Ich würde euch so gerne etwas verraten! Da es dafür noch zu früh ist, sage ich einfach mit Porthos ("Three Musketeers", 1993): "God, I love my work!"

Am Morgen nach der Lesung in Penzberg zeigte mir heute die Gastgeberin den Blick zur Zugspitze. Ich bewunderte die verschneiten Klüfte. Sie sah derweile auf meinen Koffer: "Wissen Sie, daß die Firma TITAN hier in Penzberg ansässig ist?" Mein Koffer ist also nach Reisen kreuz und quer durch die Welt in seinen Heimatort zurückgekehrt.



In der Schatzkammer
04. März 2009

Ich liebe den Geruch von Bibliotheken. Heute im Keller der Uni-Bibliothek roch es so wunderbar muffig nach Büchern! Ich mußte lächeln. Der Geruch erinnert mich an die geliebte Bibliothek in den USA, wo ich als Kind meine Wißbegierde gestillt habe. Ich habe Bücher über Hieroglyphen ausgeliehen und versucht, sie auswendig zu lernen. Ich habe mir einen Geologenhammer gekauft und Bücher über Kristalle aus der Bibliothek geholt, und bin am Flußufer auf und ab gestreift, und habe Steine aufgeklopft. Ich konnte über Tiere lesen, über Computerprogrammierung, über einfach alles! Bibliotheken sind Schatzkammern.

Heute war ich natürlich dort, um für den neuen Roman zu recherchieren. Das Tagesergebnis:

11 Bücher aus der Bibliothek entliehen,

3 Bücher im Lesesaal ausfindig gemacht, die ich nur dort lesen darf, und erste Notizen extrahiert,

4 Bücher gekauft,

1 Archäologische Zeitschrift gekauft.

Außerdem habe ich auf historischen Landkarten meinen Handlungsort und das Straßennetz der damaligen Zeit ausfindig gemacht. Einen weiteren Handlungsort habe ich unerwartet auf den Karten entdeckt, den muß ich unbedingt hinzunehmen, der wird den Lesern Gänsehaut verschaffen.



Wie Geschichte vermittelt wird
02. März 2009

In meinem Studium waren UTB-Bücher eine wichtige Recherchequelle. Nun durfte ich selbst für eines der roten Bücher schreiben. Frisch erschienen:

Mein Beitrag beschäftigt sich mit Historischen Romanen, aber es geht im Sammelband Geschichte und Öffentlichkeit auch um Historische Spielfilme, um Fernsehdokumentationen, um Historische Kinder- und Jugendliteratur, sogar um Computerspiele. Ein sehr spannender Text befaßt sich mit der Frage nach Fiktionen im Geschichtsbewußtsein. Untertitel: Wie Legenden und Mythen das Bild von vergangener Wirklichkeit beeinflussen können.



Roman abgeschlossen
18. Februar 2009

Seit August 2007 arbeite ich an einem neuen Roman. Habt ihr schon vergessen, was? Verständlich. Ich hab ja lange nichts mehr darüber erzählt. Insgeheim habe ich all die Zeit daran gefeilt. Letztes Jahr im Sommer war ich fast fertig, habe dann aber eine der vier Hauptfiguren gestrichen und den Roman zu großen Teilen neu geschrieben. Und nun, heute, war es soweit: Ich habe das fertige Manuskript an meinen Lektor gemailt. Ich glaube, es ist ein wirklich gutes Buch geworden. Ich bin jedenfalls sehr glücklich damit. Darf ich vorstellen: ein Schmuggler, ein Hund, Zwillingsschwestern, ein Bibliothekar. Nicht zu vergessen der König, der Jesuitenführer und der Minister. Und eine Stadt, die einmal zu den größten und wichtigsten der Welt gehörte. Da ist einiges schiefgegangen. Davon erzählt der Roman – und von der Liebe.

Jetzt bewege ich eine neue Geschichte im Kopf. Habe heute gleich schon einige Handlungsstränge für das Exposé skizziert.



Schloßbesuch
11. Februar 2009

Wißt ihr, was mich am neuen Buch begeistert? Daß es bis in kleine Details hinein liebevoll gestaltet ist. Es ist ja immer ein besonderer Moment, wenn man sein Buch zum ersten Mal in den Händen hält. Gestern kamen die Belegexemplare für Das kleine Buch für Lebenskünstler, und ich war sofort entzückt. Der Buchrücken ist froschgrün, und das kleine Leinenstück oben an der Bindung ist orange wie die Füße des Froschs.

Am Wochenende war ich in Hamburg und habe Wolf Serno kennengelernt, der gerade das 100. Mitglied in unserem Autorenkreis historischer Roman Quo Vadis geworden ist. Außerdem habe ich mit KollegInnen das Schloß Bergedorf erkundet, in dem die diesjährige Historica stattfinden soll. Ein bezauberndes Schloß! Wenn alles klappt, füllen wir es vom 13.-15. November mit mittelalterlicher Musik, und über zwanzig Autoren historischer Romane lesen in verschiedenen Räumen aus ihren Büchern vor.

Dafür hat sich der Besuch gelohnt, auch wenn ich mir im Eisregen in Hamburg eine Erkältung geholt habe. Ihr liebt historische Romane? Merkt euch schon mal den Termin vor. Bringen wir gemeinsam Leben ins Schloß!



Das kleine Buch für Lebenskünstler
11. Februar 2009

Über 40 Geschichten aus meinem Alltag, mit Tipps, wie man es schafft, leichter und spontaner durchs Leben zu gehen, Kleinigkeiten zu bestaunen und Pannen nicht so tragisch zu nehmen. Hat Spaß gemacht, dieses Buch zu schreiben! Neu war für mich, daß ich es als Hörbuch selbst einlesen durfte. Beide, Buch und Hörbuch, kommen in diesen Tagen in den Handel.



Mein kleiner Liebling
14. Januar 2009

Das Schöne am Winter ist, daß die Vögel zum Fressen auf meinen Balkon kommen. Ich habe da einen kleinen Liebling bei den Schwanzmeisen. Er hat einen weißen Kopf.

Wie könnte ich es bloß hinkriegen, daß der mal auf meinem Finger landet? Die anderen Schwanzmeisen sehen so aus.

Für eine Auserlesen-Sendung lese ich gerade fünf Bücher von Ralf Isau. Ich tu’s gerne, sie machen Spaß. Gestern ist mir in Der Tränenpalast ein wunderschöner Absatz begegnet:

Die Nacht hatte sich über das Land gesenkt, doch dunkel war es trotzdem nicht. Heller noch als der Sternenhimmel strahlte der Vollmond über dem See und entrollte auf dem Wasser einen Teppich aus silbernem Licht. Mit seinem lebhaften Funkeln weckte dieser Läufer den Wunsch, ihn zu betreten, auf ihm zu wandeln, über ihn hinweg in eine andere Welt zu gehen.

Bin heute in der Nacht noch einmal aufgestanden, weil mir ein guter Satz für meinen Roman eingefallen ist. Vielleicht wird es der Schlußsatz. Jetzt fahre ich nach Berlin zu einem Treffen mit meinem Agenten, Michael Gaeb, und Gunnar Cynybulk, meinem Lektor. Die dürfen beide nicht wissen, wie oft ich aus dem Fenster schaue, um meinen kleinen Liebling beim Körnerpicken zu beobachten.



Kinderlogik
06. Januar 2009

Einen wunderbaren Fall von Kinderlogik habe ich im Weblog meines geschätzten Kollegen Frank Böhmert gefunden. Gegen den Einwand, der Weihnachtsmann könne unmöglich in einer Nacht alle Haushalte der Welt besuchen, argumentiert Franks sechsjähriger Sohn: "WENN es den Weihnachtsmann gäbe, dann würde er ja natürlich ZAUBERN können." Klasse!

Wo wir gerade bei Kindern sind: Das Auserlesen-Interview mit Stefan Gemmel steht jetzt online. Der Kinderbuchautor gesteht darin, daß er als Kind überhaupt nicht gelesen hat, und erzählt, wie er doch noch zu Büchern und zum Schreiben gekommen ist. Er macht heute knapp 300 Lesungen im Jahr und wurde von Horst Köhler für seinen Einsatz für die Leseförderung mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Seine Bücher sind in 16 Sprachen übersetzt.



Schnee kochen
04. Januar 2009

Habe den Vormittag damit verbracht, Interviewfragen für die TextArt zu beantworten. Jetzt drucke ich mir das Interview aus zum Korrekturlesen. Interviews machen Spaß. Es ist, als könnte man sich selbst noch einmal neu erfinden. Je nachdem, wie man bei den Antworten den Schwerpunkt setzt, entsteht ein anderes Bild. Diesmal habe ich den selbstbewußten Erfolgsautor gegeben.

Ich habe heute mit Schnee gekocht. Davon gibt’s ja genug zur Zeit. Probiert das mal aus! Es ist sicher eine Illusion, aber mir kam das Essen feiner vor als sonst. Es schmeckte fantastisch. Wer zwingt uns, das langweilige Leitungswasser zu nehmen?



Ich bin schüchtern
21. Dezember 2008

Das glaubt mir keiner, aber ich bin schüchtern. Gerade hab ich’s mal wieder gemerkt. Habe auf eine meiner Fragen für das Romanmanuskript keine Antwort gefunden, und da blieb mir nur, einen Profi anzurufen, jemanden, der sich mit Handfeuerwaffen des 18. Jahrhunderts auskennt.

Zuerst war seine Frau dran. Ich habe nur meinen Namen gesagt und gefragt, ob ich Herrn X sprechen dürfe. Sie hat ihn ans Telefon geholt, ich hörte im Hintergrund, wie sie verwirrt sagte: "Ein Herr Müller?" Als er am Apparat war, habe ich vor Aufregung nicht mal erklärt, wer ich bin, ich war so nervös, daß ich gleich losgelegt habe: Ich hätte da eine Frage, wie funktioniere das eigentlich mit dem Laden einer Pistole im achtzehnten Jahrhundert, wie verhindere man, daß die Kugel wieder rausrolle nach dem Laden?

Er hat es mir geduldig erklärt. Ich habe mich überschwänglich bedankt und aufgelegt. Dann mußte ich über mich selbst lachen. Der arme Mann fragt sich wahrscheinlich, wer das gerade war.

Dabei bin ich bin nicht unhöflich. Bloß schüchtern. Echt.



Zu Weihnachten
21. Dezember 2008

Habt ihr Lust auf etwas Christliches zu Weihnachten? Dann schaut euch die Auserlesen-Sendung mit Fabian Vogt an. Darin erzählt er, wie er es geschafft hat, Redakteur bei der FAZ zu werden, indem er sich selbst vorgeschlagen hat. Wie es ist, fürs Radio zu schreiben (er ist auf hr3 regelmäßig zu hören). Und er beantwortet meine Fragen zum Buch Glauben ist ganz einfach, wenn man nicht muß, das er gemeinsam mit einem Physiker geschrieben hat. Fabian Vogt ist ein vielseitiger Mann: Er ist als Karabettist auf den Bühnen zu Hause, hat gerade seinen Doktor in Theologie gemacht und bekam für seinen Roman Zurück den Deutschen Science-Fiction-Preis. Als wäre das nicht genug: Glauben ist ganz einfach, wenn man nicht muß ist das beste Buch über den christlichen Glauben, das ich seit langem gelesen habe.



Impressum