Willkommen an meinem Schreibtisch. Hier berichte ich davon, wie ein Roman entsteht, erzähle Erlebnisse von Lesereisen und andere Details des Traumberufs Autor. Wer möchte, kann mit diesem Link ein Newsfeed abonnieren.

Die Jesuitin von Lissabon
02. März 2010

Frisch in den Buchhandlungen eingetroffen: Mein neuer Roman Die Jesuitin von Lissabon. Worum es geht? Antero Moreira de Mendonça hasst die Jesuiten. Als ein Erdbeben von biblischer Wucht Lissabon 1755 zerstört und die Jesuiten den Zorn Gottes predigen, sieht der junge Naturwissenschaftler die Gelegenheit gekommen, sich am Orden zu rächen. Doch Gabriel Malagrida, der als Prophet verehrte Jesuitenführer, ist ihm ein machtvoller Gegner. Mit Hilfe der deutschen Kaufmannstochter Leonor gelingt es Antero, dem Kerker und der Hinrichtung zu entgehen. Was Antero nicht weiß: Leonor gehört zur Gefolgschaft der Jesuiten. Für wen schlägt Leonors Herz – für Antero oder ihre grausamen Glaubensbrüder?



Buchtrailer zur Jesuitin
24. Februar 2010

Bei Youtube gibt es jetzt einen Trailer zur Jesuitin von Lissabon, gestaltet vom Aufbau-Verlag. Mich begeistern vor allem die Staubflocken vor der Linse, sie geben dem Film Kinoflair, finde ich. Hier geht’s zum Trailer.

Außerdem hat Aufbau eine Themenseite zum Roman eingerichtet, mit Interview, historischen Hintergründen und einer Leseprobe. In einer Woche kommt das Buch in die Läden. Bin schon richtig aufgeregt ...



Erstes Buch in Polnisch
24. Februar 2010

Vom Glück zu leben ist gerade in Polen erschienen, übersetzt von Marta Majorczyk. Der polnische Verlag hat jeden der Texte aufwendig illustriert, so kommt es, dass das Buch in Deutschland 160, in Polen 250 Seiten hat. Trotzdem kostet Mały poradnik szczęśliwego życia umgerechnet nur 6,50 Euro, als gebundenes Buch mit fliederfarbenem Lesebändchen. Bin beeindruckt!



Facebook
10. Februar 2010

Plötzlich sind alle auf Facebook. Dem Sog kann ich mich nicht entziehen. Habe zuerst eine persönliche Seite eingerichtet, nachdem aber immer häufiger auch Leser meiner Bücher geschrieben haben, ob sie nicht Facebook-Freund werden können, habe ich eine Fanseite gestartet. Dort werde ich künftig kleine Zwischenmeldungen bringen, Anekdoten aus dem Autorenalltag, Wichtiges und Unwichtiges, wozu eben Facebook einen verführt.

Dieses Journal führe ich weiter und melde mich alle zwei bis drei Wochen mit längeren Einträgen. Zur Facebook-Fanseite.

Heute habe ich mehrere Stunden damit zugebracht, die Texte für ein neues Lebenskünstler-Buch beim Brunnen Verlag in die richtige Reihenfolge zu bringen. Ich schreibe sie, wie sie mir eben einfallen, über zwei Jahre verteilt. Im Buch sollen sie harmonieren und abwechslungsreich aufgereiht sein. Morgen lese ich das komplette Manuskript, mal sehen, ob die Aufstellung mir gefällt.



Heiß Duschen
03. Februar 2010

Heute fiel mir im Bett, gleich nach dem Aufwachen, eine Geschichte ein. Wie einen Film sah ich sie vor mir. In solchen Momenten darf ich keine Zeit verlieren, indem ich mich erst anziehe, die Zähne putze und frühstücke – bis dahin wäre die Geschichte nur noch ein verschwommener Nebel. Also habe ich mich im Pyjama an den Computer gesetzt und geschrieben. Die Geschichte war gerettet.

Als ich mit dem Niederschreiben fertig war, fror ich.

Ich gehe heute abend Volleyballspielen, eigentlich hatte ich vor, erst nach dem Sport zu duschen. Aber ich brauchte Wärme. Also habe ich mich unter die Dusche gestellt. Es hat sich wunderbar angefühlt, wie das heiße Wasser über meinen Körper spülte und mich langsam aufwärmte.

Dieses ungeplante Duschen macht mir wieder einmal bewusst, welchen Luxus ich genieße. Ich kann so oft heiß duschen, wie ich möchte, ohne fürchten zu müssen, dass das Geld dann nicht mehr für Miete oder Essen reicht.

Ein Bad in 180 Liter Wasser kostet 25 Cent für das Wasser und 4,50 Euro für Strom oder Gas. Einmal zu baden kostet also 4,75 Euro. Zehn Minuten zu duschen kostet 1,50 Euro. Denkt ihr darüber nach? Ist euch bewusst, dass ihr euch das unbesorgt leisten könnt?

Jetzt fühle ich mich sauber und warm, und meine Haut ist erfrischt. Außerdem habe ich einen neuen Pullover angezogen, anthrazitfarben, ich habe ihn heute zum ersten Mal an. Ich bin glücklich! Der Tag kann beginnen.



Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben
29. Januar 2010

Wie ich meine erste Kurzgeschichte verkauft habe, auf der Toilette der Literaturwerkstatt Berlin meinen ersten Buchvertrag angeboten bekam und was ich bei der Arbeit an sieben Romanen gelernt habe – sozusagen die Essenz meiner Schreiberfahrungen –, das erzähle ich im neuen Buch Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben. Es geht um Figuren, Selbstmotivation, Spannung, um Fallen, in die ich getappt bin, und meine persönliche Herangehensweise an einen neuen Roman. Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben gehört zu einer neuen Reihe von Büchern für Autoren, herausgegeben von der Textmanufaktur Leipzig, in Leinen gebunden und mit Lesebändchen für 14,90 Euro. Hier gibt es die ersten 20 Seiten als kostenlose Leseprobe. Wer das Buch sofort haben möchte, kann es für 9,90 Euro als E-Book herunterladen.



Guido Dieckmann bei Auserlesen
22. Januar 2010

Der Film läuft noch in einigen Kinos. Guido Dieckmann, Autor von zehn historischen Romanen, hat das Buch zum Film "Albert Schweitzer" geschrieben, und beantwortet mir die folgenden Fragen: Wie es ist, ein Buch zum Film zu schreiben? Warum schmiss Albert Schweitzer mit 30 Jahren alles hin, studierte noch einmal Medizin und ging nach Gabun in Zentralafrika, um als Arzt die Bevölkerung zu versorgen? Warum brachte seine Freundschaft mit Albert Einstein ihn in Gefahr? Hier könnt ihr unser Gespräch sehen, und einen Auszug aus dem Film.



Im Studio
14. Januar 2010

Die Jesuitin von Lissabon erscheint im März auch als ungekürztes Hörbuch. Deshalb war ich heute im Studio scenario und wir haben das Interview aufgenommen, das im Roman abgedruckt ist. Mir fiel erst in der U-Bahn auf, dass ich das ja niemals so ablesen könnte – ein abgelesenes Interview hört sich doch bescheuert an. Also habe ich rasch auf den Zetteln umformuliert, und dann vor dem Mikro improvisiert. Ich glaube, es ist gut geworden. Alexander Catarinelli hat mir wunderbar dabei geholfen, entspannt zu antworten, indem er zwischendrin kommentiert hat, was ich gesagt habe (seine Kommentare werden nicht auf dem Hörbuch zu hören sein). Überhaupt ist es ein sehr sympathisches Team im Studio.

Den Rest des Tages habe ich die Druckfahnen der Jesuitin korrekturgelesen, ich schaffe jeden Tag rund 100 Seiten. Gut, dass die eigentlichen Aufnahmen für das Hörbuch erst in zwei Wochen beginnen – so kann ich dem Studio tonus arcus, in dem Tobias Dutschke den Roman einlesen wird, noch rechtzeitig eine neue Fassung des Manuskripts zukommen lassen.

Ist die Jesuitin abgeschlossen, geht es für mich gleich mit der nächsten Druckfahne weiter: Im Februar erscheint beim Textmanufaktur Verlag mein Buch Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben. Dazu erzähle ich euch später einmal mehr. Wer es gar nicht aushält und schon eine Leseprobe haben will: Die ersten zwanzig Seiten gibt es hier als PDF.



Neues Cover
18. Dezember 2009

Heute habe ich das erste Interview zur Jesuitin von Lissabon gegeben, und zwar für die Zeitschrift kontinente, die von rund 30 katholischen Orden herausgegeben wird. Ich hatte mir Sorgen gemacht, weil die Jesuiten in meinem Roman nicht besonders gut wegkommen, aber es war ein vergnügliches und sehr angenehmes Gespräch mit Chefredakteurin Hildegard Mathies. Sie hat offen gefragt, ich habe offen geantwortet, und wir haben uns blendend verstanden. Ich konnte im Interview auch sagen, was ich an den Jesuiten gut finde.

Die Fotos hat Gabor Geissler gemacht. Er hat schon am Vortag Cafés ausgekundschaftet, weil das Licht stimmen musste und keine Weihnachtsdekoration zu sehen sein durfte (die Zeitschrift erscheint im März). Er führte uns heute in ein helles Café mit Glaswänden. Für weitere Fotos sind wir an einen See gefahren, und ich habe Gänse gefüttert – die hätten mir bald die Hand abgebissen –, und anschließend fuhren wir zum Hauptbahnhof, wo sich Gabor einen Stuhl von einem Café geklaut hat und einen Mann von einer Bank verscheuchte, damit ich mich mit Gabors Notebook hinsetzen und so tun konnte, als würde ich schreiben.

Das Cover des Romans steht inzwischen auch. Im ersten Entwurf sollte es so aussehen:


Das hat den Vertretern aber nicht gefallen, die für den Verlag in die Buchhandlungen reisen, und so wurde ein anderes Cover entworfen. Die Jesuitin wurde zu Die Jesuitin von Lissabon und liegt ab März in dieser Optik in den Buchläden:

Noch eine kleine Anekdote vom Korrekturlesen: Konnte die Schrift meines Lektors nicht richtig lesen, und las zuerst, “eine Horde Schafe”. Ich musste so darüber lachen! Natürlich meinte er “eine Herde Schafe”, aber “eine Horde Schafe” wäre doch mal etwas Neues, kleine randalierende Schafe.

Ich wünsche allen Journal-Lesern ein friedliches, gesegnetes Weihnachtsfest!



Stille Texte
11. Dezember 2009

Im Roman Nachtflug, den ich gerade lese, erzählt Antoine de Saint-Exupéry: "Die Stille der Büros tat ihm wohl. Er durchschritt sie langsam, eines nach dem andern, und sein Schritt hallte einsam wider. Die Schreibmaschinen schliefen unter ihren Hauben." Diesen letzten Satz liebe ich. Ich verliebe mich in letzter Zeit häufiger in stille Texte, wie zum Beispiel den Roman Die Lieder des Mr. Blake von Tracy Chevalier (im Taschenbuch heißt er Das Mädchen mit den funkelnden Augen). Meine Leseempfehlung!



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